Endlich war wieder Rennwoche und mein erstes großes Saisonhighlight stand an: „The Championship“, die Challenge Samorin (sprich: Schamorin) in der Slowakei ein paar Kilometer östlich von Bratislava, nahe der ungarischen Grenze, direkt an der Donau. Ein Preisgeld von insgesamt 150.000€ lockt die Weltspitze unseres Sports in diese kleine Ortschaft und auch mich. Allerdings war die Location des Wettkampfes die „X-Bionic Sphere“. Ein riesiges Resort mit unzähligen Sportanlagen wie zum Beispiel auch einer Pferderennbahn. Ich war mehr als gespannt darauf mich mit so einem starkem Profifeld zu messen und freute mich vor allem auch auf eine Besonderheit des Rennens: Die 20m Windschattenregel. Anstelle der üblichen 10m, wo man nachweislich noch einen großen Windschattenvorteil hat, müssen hier beim Radfahren 20m zum Vordermann Abstand gehalten werden, womit man kaum mehr Windschatten hat. Dies macht „The Championship“ zum wahrscheinlich fairsten Rennen im ganzen Triathlonzirkus.

Für mich ging es am Donnerstag mit meiner Freundin von Nürnberg nach Samorin. Tatsächlich war es das erste mal, dass ich selber 6h am Stück Auto gefahren bin, allerdings war es nur halb so schlimm wie erwartet. Dort angekommen durften wir erstmal in unser luxoriöses Zimmer einchecken, bevor es nochmal für eine kleine Einheit in den beheizten 50m outdoor Pool ging.

Am nächsten Tag fuhr ich einen Teil der Radstrecke ab und hatte bei knapp 200 Watt fast einen 39er Schnitt mit dem Wettkampfmaterial. Eine brutal schnelle Strecke: Komplett flach und gute Straßenverhältnisse. Wovor ich aber unglaublichen Respekt hatte, war am Renntag 90km in der Aeroposition liegen zu müssen ohne sich mal für längere Zeit aufrichten zu können. Bisher war jede meiner fünf Mitteldistanzen relativ bergig und auch jetzt im Nachhinein kann ich sagen, bergig ist deutlich einfacher.

Das Pro Briefing fand am selben Tag im Kino des Resorts statt. Dafür wurden wir mit Popcorn versorgt und durften in großen Sitzkissen entspannen. Außerdem nahm ich mit Simon Müller von Triathlon Magazin noch einen Podcast auf, der in den kommenden Wochen erscheinen wird. Ich halte euch auf den Laufenden 🙂

Ein Tag vor dem Rennen ist der Ablauf immer derselbe: eine kurze Radeinheit, eine kurze Schwimmeinheit, alles für den Renntag herrichten, das Fahrrad einchecken und natürlich Pasta, Pasta, Pasta. Die Nervosität hielt sich wenigstens noch in Grenzen. Außerdem hab ich dann überraschend gut geschlafen, sonst wache ich in der Nacht vor einem großen Rennen oft auf und schlafe insgesamt sehr unruhig.

Aber spätestens als ich um 5:45Uhr vor meinem Frühstücksteller mit zwei Honigsemmeln saß, war klar, es ist Rennmorgen. Eigentlich ist Frühstück meine mit Abstand liebste Mahlzeit und bin deswegen auch großer Fan von „Frühstück zum Abendessen“, aber am Rennmorgen ist es die reinste Folter und sicherlich nicht nur für mich. Dennoch lief es schon mal besser als in Riccione. Auch das muss trainiert sein 😉

Kurz darauf wurden noch die letzten Vorbereitungen getroffen und das restliche Equipment in der Wechselzone deponiert. Nach meinem kurzen Warm up Programm, kam dann die erfreuliche Nachricht, dass das Wasser 14,4°C hat und die vollen 1,9km geschwommen werden. Erfreulich deswegen, weil bis 1h vor dem Rennen darauf spekuliert wurde, ob überhaupt die volle Distanz geschwommen wird oder nur 1500m oder sogar nur 750m. Zwei Tage vor dem Rennen war nicht mal sicher, ob überhaupt geschwommen wird, denn da hatte das Wasser 12°C. Meine Schwimmform ist im Moment sehr gut, also hatte ich keine Sorgen um diese Disziplin. Kalt sollte es trotzdem werden.

Das Schwimmen fand in der Donau statt und obwohl am Tag davor bereits eine Schleuse geschlossen wurde, merkte ich beim Einschwimmen die extrem starke Strömung, was aber wiederum den guten Schwimmern, zu denen ich mich auf der Mitteldistanz zählen würde, entgegen kommt.

Ich ging mit der Startnummer 6 ins Rennen und wurde beim Line-Up dementsprechend früh aufgerufen. Ins Wasser wurden wir dann aber alle gleichzeitig gelassen und wahrscheinlich etwas zu spät, denn es war eigentlich noch niemand richtig aufgereiht, als plötzlich das Startsignal ertönte. Ich war erstmal überrascht und befand mich zu dem Zeitpunkt noch gut 3m hinter der Startlinie. Erst als alle losgeschwommen sind, realisierte ich, dass dies der Start war. Es waren nur ein paar Sekunden und in dem Moment beunruhigte es mich nicht einmal. Also los ging’s!

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Starke Gegenströmung → Sofort schwamm ich komplett an den rechten Rand und folgte zwei anderen Athleten, zu denen ich die Lücke schnell schließen konnte. Da ich beim Schwimmen nach links atme, hatte ich den Rest des Feldes gut in Blick, die allesamt an den Bojen entlang schwammen inklusive der vollen Gegenströmung. Ich frag mich, wieso nicht mehr als drei Athleten auf die Idee gekommen sind evtl. einen 50m weiteren Weg in Kauf zu nehmen und dafür so wenig Strömung wie möglich abzubekommen. Nach bereits 100m war ich auf der Höhe von Ben Kanute, der das Feld auf der linken Seite anführte und als einziger trotz extra Strömung dasselbe Tempo wie wir schwamm. Ich bin sicher nicht auf dem Schwimmniveau von Ben Kanute, der es auch in der World Triathlon Series immer wieder in die erste Radgruppe schafft, also schon mal alles richtig gemacht.

Bei den Wendebojen nach 950m mussten wir dann reinziehen und auf dem Rückweg schwamm Kanute mit einem anderen davon und wir konnten nicht folgen. Ich genoss den Wasserschatten eines weiteren Athleten und befand mich so an Position vier. Direkt hinter uns folgte eine größere Gruppe unter anderem mit dem Top Schwimmer und Erdinger Teamkollegen Florian Angert.

Ich fühlte mich sehr gut, auch wenn das Wasser echt kalt war. Mit knapp 45s Rückstand auf Kanute stieg ich dann als vierter aus der Donau. Ich hätte nicht erwartet in diesem Feld so weit vorne aus dem Wasser zu steigen und bin mit dieser Disziplin komplett zufrieden.

Für bessere Schulterfreiheit beim Schwimmen, hatte ich mich dazu entschieden den Anzug unter dem Neo bis zur Hüfte runterzurollen und erst auf dem Weg in die Wechselzone komplett anzuziehen. Dies hat im Training reibungslos funktioniert und auch im Wettkampf hatte ich ihn schnell an, als ich dann plötzlich bemerkt habe, dass der Reißverschluss ausgefädelt ist. Ich habe versucht diesen irgendwie wieder einzufädeln, aber vergebens. Dabei hab ich bereits eine Menge Zeit verloren und stieg als letzter der Gruppe aufs Fahrrad. Nun musste ich 90km auf einer Strecke, bei der jeder einzelne Watt zählt, mit komplett offenen Einteiler fahren. Dies hat mich natürlich geärgert und beunruhigt, aber mir blieb nichts anderes übrig als einfach mein Rennen zu machen.

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Nach circa 5km musste ich dann erstmal wieder an der Gruppe komplett vorbeifahren. Es waren circa 12 Mann und jeder hielt 20m Abstand. So habe ich gut 5min und fast 400 Watt gebraucht, um nach ganz vorne zu fahren. An der Spitze des Feldes waren immer noch Kanute, ein Australier Max Neumann und nun auch der Belgier Pieter Heemeryck, der hinter mir aus dem Wasser gestiegen ist, aber mit einem schnellen Wechsel und schnellen ersten Radkilometern gleich vorne aufschließen konnte. Das wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht mal und dachte ich fahre an Position drei.

Mein Plan war… nein, ich hatte keinen Plan außer einfach klein machen und reindrücken. Das hat auch gut geklappt. Am Wendepunkt nach 45km hatte ich knapp 330Watt im Schnitt. Meine Mitstreiter, die bis dahin mitfahren konnten, wahrscheinlich circa 15 Watt weniger, die mich der offene Anzug kostete.

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Kurz bevor wir auf Kanute und Neumann aufschlossen, überholten mich Angert und Maurice Clavel, ein weiterer Deutscher, der auch für seine Radstärke bekannt ist. Zu dem Zeitpunkt war jeder Überholvorgang ein Erlös für meinen Rücken, da ich mich kurz strecken konnte, um die 20m wieder herzustellen. Heemeryck war bereits vorne weg.

Auf dem Rückweg wurde die Lücke zu Angert und Clavel immer größer und nach circa 65km musste ich komplett reißen lassen. Mir tat alles weh, es wurde sehr heiß und ich wollte einfach nur noch ankommen und runter von dieser Aeroposition. Ich konnte kaum mehr 300 Watt treten und ging richtig hoch, obwohl ich mich bis dahin sehr gut verpflegt hatte. Wenigstens ging es Kanute genauso. 5km vor Ende kam mein Erdinger Teamkollege Andreas Dreitz mit einem brutalem Tempo an uns vorbei. Er stellte an dem Tag auch mit 1:54h die beste Radzeit auf. Für mich waren es am Ende sogar auch unter 2h: 1:58h, 45,6kmh im Schnitt, 308 Watt im Schnitt, 315 Watt NP, die 7t schnellste Radzeit und das mit einem komplett offenen Anzug. Eventuell hätte ich sonst mit den Anderen bis zum Ende mitfahren können, aber das sind halt nur Spekulationen und ich habe noch genug Rennen, um das zu beweisen.

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Sebastian Kienle stieg direkt hinter mir vom Fahrrad und wir wechselten gemeinsam auf die Laufstrecke, aber da lief er dann auch gleich davon. Meine erste der drei Laufrunden hingegen war miserabel. Es war inzwischen extrem heiß und auf der Pferderennbahn, auf der wir einen Teil der Runde laufen mussten, staute sich die Hitze. Außerdem waren einige Passagen auf Gras dabei, was es nicht gerade einfacher machte. Bei den Verpflegungsstationen nahm ich alles, was ich kriegen konnte, sowohl zum Trinken, als auch zum Übergießen. Von hinten kamen dann nach und nach die schnellen Läufer: der Schweizer Ruedi Wild, die Briten Adam Bowden und David Mcnamee. Ich lief nun an Position 12 und hatte mich schon damit abgefunden, dass ich jetzt einfach nur noch finishen will.

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In der zweiten Laufrunde wachte ich dann aber so langsam wieder auf und konnte ordentlich Tempo zulegen. Ich hatte die Hoffnung wieder zurück in die TOP 10 laufen zu können. Leider liefen die Jungs direkt vor mir alle sehr schnell und ich konnte lediglich dasselbe Tempo laufen, aber den Abstand nicht verringern.

In der letzten Runde konnte ich noch Ben Kanute einholen, der ordentlich hochging. Als 11ter lief ich dann über die Ziellinie mit einem Mix aus Enttäuschung, Wut und Zuversicht.

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Ich hatte 5:31 Minuten Rückstand auf den Sieger Sebastian Kienle und war damit 11ter. Ein extrem knappes Rennen. 14s auf Platz 10 und nur knapp über zwei Minuten (die mich der Anzug insgesamt wahrscheinlich gekostet hat) auf Platz 7. Ärgerlich. Dennoch will ich mir nichts vorwerfen. Ich bin 21 Jahre jung und es war ein Weltklasse Feld. Beim Schwimmen und auch beim Radfahren bin ich sehr gut dabei und ich bin sehr zuversichtlich, dass ich die paar Minütchen beim Laufen in den nächsten Jahren auch noch schaffe und dann kann ich auch bei solchen Rennen ganz vorne mitspielen! Ergebnisse gibt es hier.

So nutzte ich immerhin den einzigen Vorteil eines 11ten Platzes: Ich konnte gleich die 6h Heimfahrt zurück nach Nürnberg antreten und musste nicht auf die Siegerehrung warten. Immer das Positive sehen 😉

Meine nächsten Rennen sind der Erdinger Stadttriathlon am 22. Juni und eine Woche später das nächste große und für mich wichtige Mitteldistanzrennen die Challenge Walchsee. Das Rennen in Samorin hat mich nur noch hungriger gemacht und ich freue mich schon auf „The Championship“ 2020, wo das Material dann halten wird und ich um die vorderen Platzierungen mitkämpfen kann!

Nun stehen ein paar Tage Ruhe an bevor es mit dem Bayrischen Triathlon Kader zu einem kleinen Trainingslager nach Ingolstadt geht, wo ich mal wieder etwas an meinem Speed arbeiten werde 😉

Bis dahin

Frederic

(Danke an meine Schwester Anna-Marie für die Bilder)

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Noch nie zuvor habe ich mich so auf ein Rennen gefreut wie auf die Challenge Walchsee. Dies hatte mehrere Gründe: Das Rennen war direkt vor unserer Haustür, da wir ja nahe der Grenze zu Österreich leben (ja, jetzt wohne und studiere ich in Nürnberg, aber da ich in den Bergen aufgewachsen bin, würde ich dies als meine absolute Heimat bezeichnen), somit kannte ich die Strecken schon aus zahlreichen Trainingsausfahrten und konnte es kaum erwarten, da bei Vollsperrung mal ordentlich drüberzuheizen. Ein weiterer Grund war die Meldung des zweimaligen 70.3 Weltmeister und Ironman Weltmeister Sebastian Kienle. Zwar hatte ich etwas Magengrummeln, als ich erfahren habe, dass er am Walchsee starten wird, aber mir wurde schnell klar, dass dies eine super Gelegenheit ist. Einerseits um mich mit einem der Weltbesten direkt messen zu können und andererseits gab Kienle dem Rennen gleich eine ganz andere (mediale) Aufmerksamkeit, sonst wäre es evtl. komplett untergegangen, da am selben Tag auch noch die 70.3 WM in Port Elizabeth stattfand.

Zu meiner Vorfreude wurde ich zwei Tage vor dem Rennen auch noch zur Pressekonferenz eingeladen, wo Kienle mein Können bereits lobte und meinte, wenn ich eine Aktie wäre, dann würde er mich jetzt kaufen 😀 Der Spruch machte danach gleich mal die Runde. So etwas motiviert natürlich unheimlich! Ein Video dazu findet ihr hier.blank

Auch habe ich endlich mal wieder 100% getapert, was ich nun wirklich nicht sehr oft mache, um hoffentlich auch meine allerbeste Leistung abrufen zu können. So eine Taperwoche ist allerdings gar nicht so einfach. Man ist abends nicht müde genug, um einschlafen zu können, man isst die ganze Zeit, weil man durchgehend Hunger hat und auch aus Langeweile… aber es hat natürlich auch seine Vorteile 😉

Als meine Eltern, die auch beide an den Start gingen, und ich am Tag vor dem Rennen unsere Räder eincheckten, sprangen wir auch nochmal kurz in den 20°C warmen Walchsee bevor es dann zum Carboloading ging. Es ist auf jeden Fall der größte Luxus bei einem Wettkampf zu Hause essen und schlafen zu können und dann nur eine 20 minütige Anreise zu haben.

Meine Schwester hat ein richtig gutes Video über meine Vorbereitung in der Rennwoche zusammengeschnitten: Link dazu hier (unbedingt ansehen). Ein weiteres Video vom Renntag selbst kommt noch nach.

Dann stand endlich der Renntag an. Spätestens zum Frühstück meldet sich immer die Aufregung und in dem Moment zahlt es sich aus, gut abendgegessen zu haben, denn man bekommt kaum etwas herunter, auch wenn es sich bei mir noch in Grenzen hielt, weil die Vorfreude definitiv überwiegte. Später allerdings hatte ich Magenschmerzen und war mir nicht sicher, ob dies nun von der Aufregung ist oder ich irgendetwas nicht vertragen habe und dann kam auch die Angst, dass dies im Rennen schlimmer werden sollte.

Vor Ort machte ich noch die letzten Erledigungen in der Wechselzone und wärmte mich anschließend etwas auf, 10 Minuten sollten reichen und kurz vor dem Start ein paar Meter schwimmen. Mein Magen war dann Gott sei Dank auch wieder in Ordnung.blankblank

Der Neoprenanzug war erlaubt. Eine Woche vorher wäre dieser noch verboten gewesen, aber die Tage vor dem Rennen hat es neben viel Niederschlag auch ordentlich abgekühlt. Die Außentemperatur am Renntag betrug morgens gut 11°C, aber es gab keinen Regen, nur die Straßen waren noch nass.

Pünktlich um 9 Uhr fiel dann der Startschuss für die 12 Profimänner. Ein kleines aber doch sehr feines Starterfeld. Das Schöne bei einer Mitteldistanz ist, dass man sich im Wasser nicht gegenseitig verprügelt und einfach schwimmt. Ich startete auf der linken Seite, sah aber wie rechts vom Dänen Daniel Baekkegard ordentlich Tempo gemacht wurde und versuchte mich dahinter mit dem Briten Thomas Davis einzureihen. Es war ganz schön hart dort dranzubleiben und kurz vor der ersten Boje nach knapp 600m nahm ich Tempo raus und ließ die Beiden ziehen, da ich mich nicht schon beim Schwimmen abschießen wollte. Hier muss man ja keine Radgruppe erreichen. Von hinten schwamm dann der Schweizer Manuel Küng auf und ich reihte mich dort in den Wasserschatten. Ab da war das Schwimmen ziemlich entspannt und so stieg ich als vierter mit 50s Rückstand auf die Spitze aus dem Wasser. Fabian Reuter und mein Vereinskollege und Kumpel Julian Erhardt waren auch in unserer Schwimmgruppe.blank

blankblankBei meinem ersten Wechsel stresste ich mich nicht wirklich und ging als 6ter auf die Radstrecke. Gemeinsam mit Manuel Küng und Julian bewältigten wir die ersten 15km, immer mit sehr fairen Abständen von 12m PLUS (nicht minus). Am ersten längeren Berg stellten wir den Briten Thomas Davis und auch Manuel Küng ließ abreißen, so ging es mit Julian in die längere Abfahrt und zum ersten Wendepunkt nach Kössen, wo man sich den ersten Überblick verschaffen konnte. So schaute ich bei der Wende auf die Uhr und eine Minute später kam Sebastian Kienle entgegen, mal zwei, also ungefähr zwei Minuten Vorsprung.

Danach ging es auf einem leicht ansteigenden „Drückerstück“ zurück nach Walchsee und der Rückstand auf den Führenden Dänen wurde immer kleiner. Die zweite Hälfte der Radrunde war technisch noch etwas anspruchsvoller als der erste Teil und hatte auch noch ein paar Höhenmeter mehr. Insgesamt hatte eine Radrunde knapp 600hm und 43km.blank

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Nach der technisch sehr anspruchsvollen, aber nicht all zu langen Abfahrt in Rettenschöss ging es in die längste Steigung. Circa 3km mit 5% auf einer sehr breiten Straße, die aber nur zur Hälfte für den Wettkampf gesperrt war. Dort entschied ich mich zu attackieren und wollte die Lücke zu Platz 1 endgültig schließen, so fuhr ich den Berg mit knapp 400 Watt im Schnitt hoch, wo Julian nicht mehr folgen konnte/wollte.

Nachdem ich die Lücke zu Baekkegard schließen konnte, gab es kurz vor Ende der ersten Radrunde nochmal einen Wendepunkt. Der Vorsprung lag noch bei circa 1,5 Minuten auf Kienle.

Es war dann gar nicht so leicht das Tempo des Dänen mitzugehen, da er vorallem in den leicht fallenden Passagen ordentlich Druck machte. Die zweite Radrunde war deutlich härter als die erste und ich fuhr auch nochmal mehr Watt abgesehen von der längeren Steigung, die ich dieses mal im „normalen Bereich“ hochfuhr. Die 86km mit 1200hm gingen vorbei wie im Flug. Die Strecke ist so schön abwechslungsreich und auch landschaftlich ein Traum, selbst bei dem bewölkten Wetter wie gestern. Gut, dass die Sonne nicht geschienen hat, denn dann wären viele von dem Alpenpanorama abgelenkt von den Straßen runtergefahren oder in Stürze verwickelt worden 😉

Die letzten 15km fuhr ich in der Führung. Am Ende der Radstrecke verpflegte ich mich nochmal und bemerkte nach dem Wendepunkt, dass Kienle ordentlich näher gekommen war, so stiegen Baekkegard und ich mit knapp 40s Vorsprung vom Rad. Hier geht es zu meiner Stravadatei vom Radfahren.blank

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Nach einem guten zweiten Wechsel ging ich als erster auf die Laufstrecke. Das Loslaufen gestaltete sich allerdings sehr schwer und mein komplettes rechtes Bein krampfte und ich fand keinen „normalen“ Laufstil und -rhythmus. Der Halbmarathon teilte sich in vier Runden um den Walchsee mit insgesamt 250hm und wechselnden Untergünden mit halb Schotter, halb Asphalt. Keine schnelle Strecke, aber wie auch schon beim Radfahren einfach richtig schön.

Nach zwei Kilometern holte mich der Däne und ich konnte nicht dranbleiben. Weitere zwei Kilometer später holte mich dann Kienle und ich konnte ganz sicher nicht dranbleiben. Ich war schon echt am Zweifeln und fragte immer wieder am Streckenrand nach den Vorsprung auf Platz 4, der aber knapp 6 Minuten betrug.blank

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Nach dem ersten Gel, was ich nach einer Laufrunde nahm, wurden meine Beine etwas besser und ich konnte das selbe Tempo aufnehmen, was auch Baekkegard lief, der circa 200m vor mir auf Platz zwei lag. Kienle lief ab diesem Zeitpunkt sein eigenes Rennen ungefährdet zum Sieg.

Es war Wahnsinn wie viele Zuschauer auf der Strecke meinen Namen riefen. So etwas macht den Schmerz um einiges erträglicher. Nach meinen zweiten Gel nach der Hälfte des Laufens wachte ich so richtig auf. Ich fand endlich einen sehr schnellen Schritt und konnte richtig an Frequenz zulegen. Somit schloss ich nicht nur auf den Dänen auf, sondern lief gleich an ihm vorbei und baute meinen Vorsprung sehr schnell aus. Meine dritte Runde war sicher auch meine Schnellste. Da fing es dann auch wieder an unglaublich viel Spaß zu machen wissend, dass es auch bald vorbei sein wird.blank

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In der letzten Runde baute ich meinen Vorsprung auf Platz 3 noch deutlich aus. Kienle war mit 2,5 Minuten zu weit weg, um dort noch irgendetwas machen zu können, was wahrscheinlich auch nicht möglich gewesen wäre. So lief ich als zweiter voller Freude ins Ziel am Walchsee! Zweiter hinter Sebastian Kienle und vor dem Dänen Daniel Baekkegard. Wahrscheinlich mein bisher größter Erfolg und auf jeden Fall mein bisher geilstes Rennen! Eine wahnsinns Erfahrung bei einer richtig guten Veranstaltung, die ich nur weiter empfehlen kann (Nächstes Jahr findet die Challenge Kaiserwinkl-Walchsee am 30. Juni statt). Ergebnisse findet ihr hier. Meine Eltern konnten beide ihre Altersklasse gewinnen und wir qualifizierten uns alle für „The Championship“ (Challenge Samorin), die am 02. Juni 2019 stattfindet und wir werden auch alle dort teilnehmen.blank

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Ich bin mehr als zufrieden mit meinem Rennen und hab mein Ziel erreicht besser als meine Startnummer #3 zu sein 😉 Von der Strecke kann ich nicht genug schwärmen und ich hoffe, dass das Rennen nächstes Jahr in meine Saisonplanung passt, dann bin ich sicher wieder dabei! Wie Sebastian Kienle in seinem Interview bei der Siegerehrung schon meinte: „Ich mag so Radstrecken, wo nicht nur auf dem Parkplatz rumgefahren wird“ Hier findet ihr auch ein Video zu diesem Interview, wo es auch wieder lobende Worte des dreimaligen Weltmeisters gab. Sebi ist einfach ein super sympathischer Typ mit immer wieder sehr unterhaltsamen Interviews und ich würde niemanden einen Hawaii-Sieg mehr gönnen als ihm, auch wenn man nach gestern seine Wetten vielleicht woanders platzieren sollte, ich sag nur 1:06. Aber auf Hawaii werden die Karten sowieso immer ganz neu gemischt und scheinbar bringt es ja Glück, wenn man mich in seiner Hawaiivorbereitung schlägt wie Patrick Lange letztes Jahr beim Frankfurt City Triathlon 😉blank

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Nun heißt es schnell erholen, um am Samstag wieder fit zu sein, denn ich starte beim Elite Europa Cup im spanischen Valencia über die Olympische Distanz. Ich bin gespannt, was da so gehen wird nach dem harten Rennen gestern.

Bis dahin
Frederic

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(Bilder: 1. Ingo Kutsche
2+3. Anna Marie Funk
Rest Michael Rauschendorfer)

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