U23 WM Quali!

Was für ein Wochenende! Zwei Sprintdistanzen innerhalb von 25h, beide Male über 34 Grad und ein Ticket für die U23 Weltmeisterschaft in Kanada… Tizzy hat mal wieder nicht enttäuscht!

Gerade bin ich ganz schön geschlaucht und auf dem Rückweg von Ungarn. Ich bin bereits gute fünf Stunden Auto gefahren und Rico übernimmt gerade die zweite Schicht und bringt uns hoffentlich innerhalb der nächsten fünf Stunden sicher nach Nürnberg. Je weiter wir Richtung Heimat kommen, desto kälter und nasser wird es. Aber zum ersten Mal seit den letzten Wochen freue ich mich über die Abkühlung. Als wir am Donnerstag in Ungarn ankamen, hatte es schwüle 30 Grad und am Samstag und Sonntag jeweils über 34 Grad. Sogar der Tümpel in dem wir geschwommen sind, hatte mit 30 Grad eher Badewannen- als Schwimmbad-Atmosphäre.

Jetzt aber zu den Rennen: Samstag stand das Semifinale an. Hier ging mein Plan voll auf und ich befand mich nach einem schnellen Schwimmen in einer achtköpfigen Spitzengruppe am Rad.

Schwimmausstieg Halbfinale, die Brille ist mir durch einem Ellebogenschlag 30m nach dem Start gebrochen. War zwar nicht so angenehm aber zum Glück erwischte ich die erste Radgruppe gerade noch so // Quelle: Triathlon Klub Tiszaujvaros

Da sich die ersten neun Athleten direkt für das Finale am nächsten Tag qualifizierten, hatten wir alle dasselbe Ziel und arbeiteten sehr gut auf dem Rad zusammen. Ich fühlte mich auch richtig gut, übernahm immer etwas längere Anteile in der Führung und organisierte die Gruppe zusammen mit einem Athleten von den Bermudas. (Drei Athleten waren schon ziemlich am Anschlag und konnten keine Führung übernehmen und wir schickten sie ans Ende der Gruppe, damit sie den Fluss unserer kleinen Ausreißergruppe nicht stören konnten. Mir war es sogar Recht, dass wir diese drei ins Finale mitzogen. Dadurch kamen weniger laufstarke Athleten, die in der Verfolgergruppe saßen, unter die Top 9 und somit ins Finale).

Unsere kleine aber effektive Gruppe aus dem Halbfinale // Quelle: Triathlon Klub Tiszaujvaros

Wir stiegen mit 50 Sekunden Vorsprung vom Rad und ich konnte kontrolliert und ohne große Anstrengung zu Ende laufen. Am Ende qualifizierte ich mich mit Platz vier fürs Finale und musst nicht zu viel investieren. Die Hitze spürte ich trotzdem schon enorm und ich war froh über die vielen Wasserstationen auf der Laufstrecke.

Finalqualifikation – Erstes Ziel somit erreicht. Für Sonntag stand dann nicht nur das Finale des Europacups an, gleichzeitig wurde auch das letzte (von insgesamt zwei) Ticket(s) für die U23 WM in Edmonton (Kanada) vergeben. Insgesamt waren am Samstag acht deutsche Athleten am Start, von welchen sich – inklusive mir – vier für den nächsten Tag qualifizierten. Valentin Wernz, Chris Ziehmer und Eric Diener. Vale ist schon zu alt für den U23 Bereich, spielte also für unser kleines “Rennen im Rennen” um das Ticket keine Rolle. Ich stellte mich schon am Samstag darauf ein, dass das Rennen am Sonntag komplett anders verlaufen würde als die Semifinals. Einerseits war die Rad- und Laufstrecke anders (mit jeweils acht Runden auf dem Rad und vier im Laufen deutlich zuschauerfreundlicher und spannender als im Halbfinale) und andererseits war die Konkurrenz nun deutlich höher.

Direkt vor dem Rennen war ich auch ziemlich angespannt, da der Schwimmstart in Tizzy sehr hektisch und vor allem auch rennentscheidend ist. Es werden drei Runden a 250m geschwommen. Das bedeutet die erste Boje kommt sehr früh und es gibt sehr viele Richtungsänderungen. Die Position die man an der ersten Boje hat, ist also schon die halbe Miete und wenn man danach immer ganz innen an den Bojen schwimmt, spart man sich enorm viel Weg. Im Umkehrschluss kann das aber auch bedeuten, dass man auf der restlichen Schwimmstrecke kaum Positionen gutmachen kann…

Gleiche Nummer (11) aber neue Brille // Quelle: PeterSportsPics

Im Vergleich zum Vortag kam ich hier nicht perfekt weg und war zwar im vorderen Drittel an der ersten Boje aber wurde dann an der zweiten Boje einmal so stark nach unten gedrückt, dass ich eine gefühlte Ewigkeit unter Wasser war und nur mit einem Brustzug wieder nach oben kam. Hier verlor ich einige Positionen und fing mich danach auch nicht wirklich wieder. Ich beschloss bewusst nicht zu viel zu investieren und einfach den Kontakt zur großen Gruppe zu halten. Ich stieg dann auch fast ganz hinten, aber mit Kontakt zur Gruppe aus dem Wasser und hatte auf jeden Fall einige Körner gespart. Nach einer kurzen Aufholjagd auf dem Rad befand ich mich auch in der Radgruppe und nur zwei Athleten waren gute 15 Sekunden vorne weg. Drei Runden lang hielt ich mich ganz hinten auf, beobachtete die Gruppendynamik, kühlte und verpflege mich etwas und testete aus wie schnell man die Kurven und Kreisverkehre durchfahren konnte.

In der fünften Runde arbeitete ich mich in der Gruppe vor und versuchte von da an meine Radstärke auszuspielen und das Radfahren für die Anderen schwer zu machen. Ich fuhr die technischen Passagen enorm schnell und hielt die Geschwindigkeit auf den Geraden hoch. ich ließ mich nie weiter als an Position vier zurückfallen und versuchte eine paar andere Athleten zu animieren ebenfalls gut mitzuarbeiten. Wir holten daraufhin schnell zu den zwei Ausreißern auf und vor der letzten Runde attackierte ich aus der Kurve heraus und sprang alleine zu den zwei nach Vorne. Es kostete zwar schon einige Körner aber mir waren es die paar Sekunden Vorsprung wert und ich ging nach einem guten Wechsel als erster auf die Laufstrecke. Die abschließenden fünf Kilometer waren zwar enorm zäh, aber ich merkte, dass jeder um mich herum mit der Hitze zu kämpfen hatten und nach zwei von vier Runden lief ich immer noch an Position fünf. In der dritten Runde hatte ich mal ein kurzes Tief und wurde von drei Athleten überholt. ich fing mich aber wieder und quälte mich weiter das Tempo zu halten. Auf der Zielgeraden litt ich zwar schon ganz schön aber versuchte noch einmal alles herauszuholen und gewann auch tatsächlich noch den Zielsprint gegen die zwei Athleten vor mir.

Platz sechs und bester Deutscher am Ende! Dass es dann natürlich auch noch für die Qualifikation für Edmonton gereicht hat macht es umso besser. Sicher kein perfektes Rennen, vor allem mit dem wirklich schlechten Schwimmen, aber die From ist definitiv da und ich bin enorm happy mit dem Ausgang des Rennens!

Mal sehen wie es weitergeht und ob ich noch spontan ein Trainingslager im Hinblick auf die WM einlege, aber allzu viel Vorbereitungszeit gibt es nicht mehr. Am 08.08 steht dann schon das Bundesligarennen in Nürnberg an und am 14.08. werden wir schon nach Kanada fliegen.

Euch allen eine schöne Woche!

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Frederic Funk Triathlon-Blog: Noch 10 Tage

10 Tage sind es noch bis zu meinem ersten Saisonhöhepunkt und auch ersten richtig großem Rennen auf der Mitteldistanz: Challenge Samorin oder auch „The Championship“. Die Weltmeisterschaft über die Mitteldistanz, nur eben nicht von Ironman, sondern von Challenge. Sowohl die Vorfreude, als auch die Nervosität nehmen von Tag zu Tag zu und ich bin extrem gespannt darauf wie ich in solch einem Weltklasse Starterfeld abschneiden werde.

Die letzte Woche, also drei Wochen vor dem Rennen, war nochmal eine sehr intensive und umfangreiche Trainingswoche. Eventuell sogar eine meiner härtesten überhaupt. 30km Schwimmen davon 6,4km intensiv, 450km Radfahren davon 97km intensiv und 100km Laufen davon 37km intensiv, insgesamt 28h Training inklusive eines Trainingswettkampfes bei der Challenge Heilbronn über die olympische Distanz, was vielleicht nicht die allerbeste Idee war nach so einer Woche.

Bereits am Samstag fuhr ich mit meinen Trainingskollegen Marchelo Kunzelmann und Simon Henseleit nach Heilbronn, was von Nürnberg echt ein Katzensprung ist. Während die beiden ihren Bundesliga Team Sponsor HEP dort vertreten mussten, welcher zugleich auch der Hauptsponsor der Challenge Heilbronn war, war es für mich eine sehr kurzfristige Entscheidung dort an den Start zu gehen, um so nochmal ein bisschen Wettkampfroutine für Samorin zu sammeln. Die Mitteldistanz wäre nach dieser Trainingswoche zu viel gewesen, auch wenn es mich schon gereizt hätte. Denn einerseits war auch diese sehr gut besetzt und andererseits ist die Location dort schon mega und macht richtig Bock auf „Ballern“.

Der Wettkampf fand dann am Sonntag statt und der Startschuss zur Olympischen Distanz fiel bereits um 7:45Uhr. Jedoch war es kein gewöhnlicher Start, sondern ein „Rolling Start“, da es eigentlich ein reines Amateurrennen war. Rolling Start bedeutet, dass alle fünf Sekunden sechs Athleten gleichzeitig starten und deine Zeit wird erst ausgelöst, wenn du über die Matte läufst und ins Wasser springst. Für Amateure ist dieses pro cedere heutzutage ganz üblich, um den Massenstart aus dem Weg zu gehen, da es ja oft 1000 Athleten oder mehr sind. Für mich war es das erste mal und hoffentlich das letzte 😉

Marchelo und ich starteten gleich in der allerersten Welle und sprangen in den angeblich 16°C kalten Neckar. Well… es waren allerhöchstens 15°C. Nach wenigen Metern machte ich eine neue Erfahrung, die ich nicht gerne nochmal machen will. Meine Brust wurde richtig eng und ich bekam keine Luft mehr unter meinem Neo. Sofort hielt ich an und schwamm ein paar Züge Rücken, während die Konkurrenz davonzog. Aber es half nichts. In meinem Kopf zog ich dann den Schlussstrich, da es ohnehin kein wichtiges Rennen für mich war und schwamm Brustzüge an die Seite. Nach circa 30s wurde es wieder langsam besser und ich entschied mich erstmal locker weiterzuschwimmen. Irgendwann fand ich meinen Rhythmus und blickte optimistisch dem Schwimmausstieg entgegen, trotzdem behielt ich bis da hin nur ein oberes Grundlagentempo bei.

Während des Schwimmens hatte mich bereits Timo Hackenjos eingeholt, der als besonders guter Schwimmer gilt und in ein paar Wellen hinter uns gestartet ist, jedoch wusste ich nicht genau wie viel. So ging es für mich an Position drei aufs Fahrrad, knapp hinter Marchelo, der leider keinen guten Tag am Rad erwischte und nicht mit mir mitfahren konnte.

Das Radfahren lief auf jeden Fall deutlich besser als das Schwimmen und hier war einzig und allein die Müdigkeit durch die Trainingswoche der limitierende Faktor. Nach circa 22km auf der hügeligen und vor allem sehr windigen Radrunde konnte ich Hackenjos endlich einholen und auf den letzten 14km bis zur Wechselzone noch einen Vorsprung rausfahren. Die Wechselzone in Heilbronn ist wahrscheinlich die längste überhaupt und das ist auf keinen Fall etwas positives, vor allem, wenn keine Teppiche ausgelegt sind. Noch dazu hatten wir unser Rad ganz am anderen Ende, also durften wir sowohl nach dem Schwimmen, als auch nach dem Radfahren barfuß auf dem rauem Asphalt fast einen Kilometer unser Rad schieben.

(Bild: Challenge Riccione)

Als es auf die Laufstrecke ging, merkte ich sofort, dass wieder etwas nicht stimmt. Ich konnte nur schwer und kurz atmen. Es war fast wie Asthma, nur ohne das Pfeifen. Wieder habe ich überlegt aufzuhören, aber ich dachte vielleicht wird es irgendwann besser. Eigentlich sogar überraschend, dass ich so noch ein 3:30er Tempo hinbekommen habe, was aber normalerweise auf einer olympischen Distanz nicht konkurrenzfähig ist.

Da ich mit Uhr lief wunderte ich mich, wo nach 2,5km (zwei Laufrunden) der Wendepunkt blieb und fragte einen Streckenposten, der mir dann sagte, dass ich bereits 50m zu weit gelaufen bin. Der Wendepunkt war tatsächlich noch nicht aufgebaut. Das ging gerade so nochmal gut.

Leider wurde meine Atmung nicht besser, aber ich konnte wenigstens das Tempo auch die zweite Runde halten, wo dann der Wendepunkt auch aufgebaut war. Ich wusste, dass ich eine knappe Minute Vorsprung vor Hackenjos habe und dachte, mehr als 40s wird er nicht hinter uns gestartet sein, so lief ich genüsslich als erster in den Zielkanal und über die Ziellinie. Das hätte in die Hose gehen können. Hackenjos machte es cleverer und zog bis zum Ende durch und lief 1:06min hinter mir ins Ziel. Tatsächlich ist er genau eine Minute hinter uns gestartet. Also hatte ich mit 6s Vorsprung gewonnen. Glück gehabt und trotz der Probleme und nicht so guten Performance war ich glücklich über den Sieg. Marchelo rundetet das Podium mit der schnellsten Laufzeit des Tages ab. Glückwunsch an die Beiden! Ergebnisse hier.

Mögliche Ursachen für meine Probleme ist wahrscheinlich ein Mix aus allem: Kaltes Wasser (ohne vorher mal drin gewesen zu sein), sehr viel Training und wahrscheinlich ein Infekt. Ein Tag vor dem Rennen bekam ich Herpes, was ein Zeichen dafür ist.

Glücklicherweise wurde ich nicht richtig krank und hab mich auch sehr schnell wieder vom Rennen erholt, da ich mich ja auch nicht so richtig verausgaben konnte. Diese Woche standen/stehen nochmal ein paar wichtige wettkampfspezifische Einheiten auf dem Programm, allerdings ist das Training bereits nicht mehr ganz so umfangreich, bevor es in die Taperphase geht. Nächsten Donnerstag werde ich nach Samorin fahren, wo am Sonntag, den 02. Juni, „The Championship“ ansteht. Mein nächster Blog wird dann der Rennbericht sein 🙂

Bis dahin

Frederic

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