Weltcup Pontevedra Platz 11!

Was für ein Rennen gestern in Pontevedra! Ich hatte ziemlich Respekt vor meinem ersten Weltcupstart und das gleich mal über die olympische Distanz. Gleichzeitig freute ich mich aber auch schon die gesamte Woche auf den Wettkampf und das gute Gefühl hat mich nicht getäuscht!

Es war wirklich krass zu beobachten, wie anders diese Woche im Vergleich zur Woche vor Tiszaujvaros ablief. Nach dem schlechten Rennen in Ungarn, beschlossen Roland und ich nur locker und entspannt zu trainieren, damit ich mich vollständig erholen und wieder frisch werden konnte. Bereits am Dienstag fühlte ich mich aber deutlich besser als die gesamte Woche zuvor und im Gegensatz zu Tiszy, hatte ich dieses Mal auch richtig Bock auf das Rennen. 

Vielleicht war es ein kleiner Infekt, vielleicht auch einfach etwas zu viel Training in der Vorbereitung. Auf jeden Fall habe ich nochmal die Kurve bekommen und stand gestern top fit an der Startlinie und konnte alles aus meinem Körper herausholen!

Quelle: World Triathlon

Schon im Schwimmen konnte ich kontinuierlich Druck aufbauen und die gesamten 1500 Meter in Kontakt mit der Rennspitze bleiben. In der zweiten Schwimmrunde gelang es mir sogar noch ein paar Positionen gutzumachen und als 15ter aufs Rad zu steigen.

Quelle: World Triathlon

Leider waren alle anderen Jungs aber auch aufmerksam und es ging kaum eine Lücke auf. Das bedeutete, dass nach einer schnellen Anfangsphase mit 15 Mann in der Spitzengruppe, noch eine 20-köpfige Gruppe zu uns aufschloss und das Tempo dadurch ziemlich langsam wurde. Auf dem technisch anspruchsvollen Kurs war es mit so einer großen Gruppe fast unmöglich das Tempo hochzuhalten und die dritte Radgruppe – mit starken Läufern wie Max Studer und Sergio Baxter – fuhr ebenfalls zu uns auf. 

Quelle: World Triathlon

Danach hielt ich mich weiterhin vorne auf, um das Sturzrisiko so gering wie möglich zu halten, aber investierte auch nicht allzu viel in der Führung. Gerade als meine Konzentration etwas nachließ und ich mich mal etwas zu weit nach hinten fallen ließ, stürzte vor mir einer der Favoriten – Jawad Abdelmoula – und nahm gleich auch noch Jonas Schomburg mit! Ich konnte gerade noch ausweichen und fuhr direkt wieder ganz nach Vorne, um mich aus dem Getümmel und weiteren Stürzen herauszuhalten. Schombi der Routinier, sprang aber direkt wieder aufs Rad und schaffte es am Ende der vorletzten Runde sogar wieder in die Gruppe! Chapeau Junge;) An der Stelle sei ihm auch verziehen, dass er mich die gesamte achte Runde an Position eins versauern ließ und auch Aufforderungen meinerseits, mal die Führung zu übernehmen, gekonnt ignorierte;)

Quelle World Triathlon

Aber alles halb so wild! Ich hatte top Beine, stieg vorne vom Rad und ging nach einem guten Wechsel als Vierter auf die abschließenden zehn Kilometer. Die ersten Kilometer waren auch brutal schnell, aber ich riskierte und beschloss das hohe Tempo mitzugehen. Nach der ersten Runde befand ich mich daraufhin in einer starken Gruppe mit sechs anderen Jungs (Platz 5-12). Wir wechselten und mit der Führung ab, aber es war nicht ganz einfach, einen guten Rhythmus auf der kurvigen und hügeligen Laufstrecke, durch die Altstadt Pontevedras aufzubauen. 

Ab Kilometer fünf fing es langsam an wehzutun, aber ich hielt mich weiter gut in der Gruppe um Platz fünf! Als es auf die letzten 1,5km ging, erhöhten die Jungs um mich das Tempo noch einmal und ich merkte, wie mir auch langsam die Energie ausging. Ich hielt so lange wie möglich dagegen, aber im Bergabstück ging dann letztendlich doch eine kleine Lücke auf, die langsam aber stetig größer wurde. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich mich das letzte Mal so übers Limit gepusht habe, aber nach meiner Performance letzte Woche im Europacup, wollte ich unbedingt um jede Position kämpfen!

Quelle: Tom Productions

Nach hinten hatte ich außerdem auch nicht viel Luft und so musste ich bis zum Zielstrich kämpfen! Am Ende reichte es für Platz 11 womit ich super zufrieden bin und vor allem mit der Laufzeit (30:45min) habe ich mich definitiv selbst überrascht. Es hat auch einfach mega Bock gemacht die gesamte Zeit in der Gruppe um Platz fünf mitlaufen zu können und auch wenn sich die Top 10 natürlich besser anhören würden, kann ich mir nichts vorwerfen.

Im Ziel übergab ich mich auch erstmal ordentlich und verbrachte die nächste Stunde im Sanizelt damit, wieder genug zu Essen und zu Trinken. Für die nächste olympische Distanz nehme ich auch definitiv ein Gel mehr zu mir, da mein Blutzuckerspiegel am Ende des Rennens viel zu niedrig war! Wieder was gelernt… 

Die nächsten Tage werden auf jeden Fall erst einmal ruhiger und wenn ich mich wieder fit fühle, startet auch direkt die Vorbereitung für die restliche Saison. Nächster Wettkampf: Heimrennen bei der Bundesliga in Nürnberg!

Ganz normaler Samstag

Endlich mal eine Woche ohne Rennen für mich. So gern ich auch bei Wettkämpfen an den Start gehe, dieses Wochenende war einfach mal wieder entspannt ohne Reise und Rennfeeling. Kein Wettkampf bedeutet gleichzeitig auch harte Einheiten und vor allem der Samstag hat richtig Bock gemacht. Hier mal ein kleiner Einblick in die Session:

Am Samstag stand kein Schwimmen auf dem Plan. Das allein fühlt sich schon fast nach einem Ruhetag an, da man durch eine Schwimmeinheit einfach immer enorm viel Zeit “verliert”. Da unter der Woche jeder Tag mit Schwimmen beginnt, genoss ich es am Samstag einfach mal auszuschlafen, entspannt zu frühstücken und mich dann langsam für die einzige Einheit des Tages fertigzumachen.

Die einzige Einheit des Tages, aber dafür eine ziemlich Lange… Zuerst Radfahren mit 4x15min am Berg und anschließend ein Koppellauf mit 30min Tempowechsel – zuerst aber zum Radfahren. Rund um Nürnberg gibt es zwar viele kurze Anstiege, aber kaum einen Berg, den man länger als 10min hochfährt. Daher gibt es für die Einheit eigentlich nur eine Möglichkeit: den Anstieg von Oberrüsselbach (für alle Nürnberger: beginnend in Unterrüsselbach in der Nähe von Gräfenberg). Am Anfang und Ende ist es zwar eher flach als bergig, aber man muss mit dem arbeiten was man hat 😉 vor allem weil ich im Sommer überhaupt keine Lust auf Indoor Rolle fahren habe.

Dabei war die Vorgabe die erste und dritte Wiederholung im Kraftausdauerbereich zu fahren, d.h. niedrige Trittfrequenz ca. 60rpm und knapp unterhalb der Schwelle (ca. 360-380W). Da ich aktuell nicht exakt weiß, bei welchem Wattwert meine Schwelle liegt, nehme ich auch immer meine Herzfrequenz zum Vergleich her. Wenn sich die während des Intervalls einpendelt und nicht weiter steigt, passt die Intensität meistens ganz gut. Schlecht wäre, wenn ich so hart fahre, dass die Herzfrequenz bis zum Ende der 15min immer weiter steigt. Ist jetzt nicht ganz wissenschaftlich aber klappt zumindest bei mir ganz gut.

Die zweite und vierte Wiederholung sollte ich immer 30sek im Stehen, im VO2max Bereich fahren (450-500W) und anschließend 1min im Sitzen bei ca. 300W (mit etwas Druck auf dem Pedal aber zum Erholen von den 30sek). Zur Einschätzung, aktuell wiege ich ca. 80kg 😉 die Pause war immer bergab und ca. 7min lang.

Rad: 4x15min

  1. KA: 370W/ 60rpm/ 142bpm/ 6,1km/ 210hm
  2. 30″/ 1min: 394W/ 83rpm/ 145bpm/ 6,5km/ 215hm
  3. KA: 368W/ 61rpm/ 150bpm/ 6,2km/ 210hm
  4. 30″/ 1min: 397W/ 84rpm/ 151bpm/ 6,6km/ 215hm

Insgesamt mit ein- und ausfahren: 105km/ 1.327hm/ 3:20h/ 31.5km/h 254W/ 126bpm

Anschließend ging’s runter vom Rad und direkt in die Laufschuhe.

Lauf: 30min 1/1

Hier war die Vorgabe eine Minute 3:05-3:15min/km und eine Minute 4:00min/km zu laufen. Da ich das Ganze nicht auf der Bahn gelaufen bin, habe ich auch eher das Gefühl die Pace bestimmen lassen, da das GPS auf die Dauer von einer Minute oft eher ungenau ist. Zusätzlich laufen ich auch mit dem Wattsensor von STRYD, damit kann man auch auf welligem Terrain seine Leistung ganz gut mit der Geschwindigkeit im Flachen vergleichen.

Auch der Lauf hat sich am Samstag richtig gut angefühlt und ich konnte ohne großen Kraftaufwand meine Vorgaben realisieren. Insgesamt waren die 30min in 3:35min/km und mit knapp sieben Minuten lockerem auslaufen kam ich am Ende auf: 10km/ 37min/ 3:41min/km

Wers noch genauer wissen will kann sich die Einheiten auch gerne auf Strava anschauen:

https://www.strava.com/activities/7402258395

Ansonsten ist diese Woche noch eine normale Trainingswoche mit viel Umfang und Intensität, bevor ich dann nächste Woche das Training langsam runterfahre, um für den Premium Europacup in Tiszaujvaros fit zu sein!

Podium in Kitzbühel

Kitzbühel hat wieder mal geliefert! Top Organisation, gute Stimmung und natürlich die Rennen an sich haben einfach mega Spaß gemacht. Der Nostalgie-Flair auf dem Campingplatz hat das Ganze komplettiert und so fahre ich im Gegensatz zu letztem Jahr, mit einem sehr guten Gefühl nach Hause.

Da nicht nur meine Familie, sondern auch mein Podcast Kollege Julian mit dabei war, gibts sogar heute schon eine neue Episode zu hören – live vom Campingplatz sozusagen ;). Da wir dabei hauptsächlich über die Rennen gequatscht haben, gibts hier heute einfach den Link zur aktuellen Episode und ein paar Bilder vom Rennen.

Außerdem geht es gleich in die nächste Rennwoche, denn nächste Highlight der Saison steht vor der Tür. Am Sonntag wird der Deutsche Meistertitel über die Sprintdistanz in Berlin vergeben – schon zum dritten Mal im Rahmen der „Finals Berlin“. Das bedeutet auch Rennaction vom Feinsten und live TV Übertragung in der ARD/ ZDF.

Meine Form geht auf jeden Fall in die richtige Richtung und das ist auch ganz gut so, denn mit einer Durchschnittsleistung wird man am Sonntag nicht weit kommen. Das Starterfeld ist enorm gut besetzt und ich bin mir sicher, dass sich jeder hier – noch mehr als sonst – beweisen will. Das Rennen wird also auf jeden Fall für Unterhaltung sorgen und ich hoffe, dass ich die Jungs vorne ein bisschen ärgern kann. 

Drückt mir die Daumen, in Berlin braucht man – zumindest beim Schwimmen – auch bekanntlich ein bisschen Glück 🙂

Revanche in Kitzbühel?

Das nächste Rennen steht vor der Tür – Europacup in Kitzbühel! Obwohl es hier letztes Jahr nicht sonderlich gut lief, freue ich mich schon auf das Wochenende. Kitzbühel ist schon fast so etwas wie ein Heimrennen und gerade fühle ich auch einfach richtig gut in Form und bin heiß auf den Wettkampf. Außerdem wird es das erste Mal sein, dass ich bei einem “Elimiator” Format am Start stehen werde. Was das jetzt schon wieder neues ist, erkläre ich hier 😉

Also wie gesagt keine Kurzdistanz oder einfach nur ein Sprint, sondern der “Eliminator”. Halbfinale am Freitag – wie man es inzwischen kennt – drei Läufe a 30 Athlet*innen, die schnellsten neun, plus drei Zeitschnellste ziehen ins Finale ein. Die Distanz: 500m Schwimmen, 12km Rad und 3km Laufen. Der Samstag wird dann aber spannend: drei Triathlons mit kurzer Pause dazwischen und nach jedem Durchgang werden die letzten 10 Athlet*innen eliminiert. Das bedeutet in DG eins starten 30 Athlet*innen, in DG zwei nur noch 20 und in DG drei kämpfen die letzten 10 Athlet*innen um den Sieg. Die Distanzen sind dabei genau die Hälfte vom Vortag, d.h. 250m Schwimmen, 6km Rad und 1,5km Laufen zum Abschluss.

Quelle: Tiszaujvaros Triathlon Club

Die Kunst dabei wird also sein, möglichst viele Körner bis zum Ende zu sparen, aber natürlich nicht den Fehler zu begehen und eliminiert zu werden. Vor allem für die Zuschauer wird es aber definitiv ein spannendes Rennen und ich bin auch schon gespannt was da am Samstag auf mich zukommt. Nach meinem Sieg bei der U23 EM, habe ich natürlich auch das Ziel, beim Kampf um die vorderen Plätze dabei zu sein! Bis dahin liegt der Fokus aber natürlich erstmal auf dem Halbfinale am Freitag Abend.

Quelle: Tom Meyer

Neben dem Rennen freue ich mich aber auch einfach auf das ganze Setting drum herum. Das erste Mal seit langer Zeit, fahre ich nämlich mit dem Camper zu einem Wettkampf und bin wie früher mit meinen Eltern unterwegs. Gleich neben der Wettkampflocation am Schwarzsee gibt es einen schönen Campingplatz auf dem wir auch schon früher öfter übernachtet haben. Ein paar Kumpels sind auch mit dabei so wird das Wochenende bestimmt richtig cool!

Quelle: Tom Meyer

Meiner Info nach, wird das Rennen in einem österreichischen Stream live übertragen. Mehr Infos dazu gibt es dann aber morgen auf Social Media…

Drückt mir die Daumen!

Back to work

So… das war ne zähe Nummer. Nachdem ich letzte Woche nur mit einer kurzen Erkältung gerechnet habe, musste ich jetzt doch zehn Tage die Füße still halten. Währenddessen will man es immer nicht so richtig wahrhaben, aber eine klassische Bronchitis braucht eben seine Zeit! Die bekannten Mittel Inhalieren, Hustenlöser und Gelomyrtol helfen dann zwar etwas, aber letztendlich ist Zeit die beste Medizin. Heute nehme ich euch mal auf mein Training in den ersten Tagen nach so einer Krankheit mit.

Das Wichtigste ist natürlich, sich vollständig auszukurieren und erst wenn man wieder vollständig gesund ist, wieder mit dem Herz-Kreislauf-Training einzusteigen. Als ich mich wieder gut fühlte, aber noch nicht laufen gehen wollte, bin ich erstmal mit etwas Athletik und Zugseil für die Arme wieder eingestiegen. Hier kann man die Beanspruchung fürs Herz relativ gering halten, aber trotzdem muskulär wieder etwas Spannung aufbauen. Als nächstes bin ich dann für eine lockere Stunde aufs Rad gestiegen. Hier kann man super den Puls kontrollieren und auch mal entspannt rollen. Laufen oder Schwimmen ist dann doch ziemlich schnell relativ beanspruchend. Heute war ich dann das erste Mal wieder im Wasser. Für den Einstieg 2,5km mit viel Technikübungen und eher kurzen Distanzen am Stück (50-200m). Ziel ist hier erstmal wieder Gefühl fürs Wasser aufzubauen und wieder mit einer sauberen Technik einzusteigen. Im Schwimmen merke ich es auch immer am Deutlichsten, wenn ich ein paar Tage rausnehmen musste. Die Sportart ist einfach enorm technik- und gefühlsorientiert!

Heute gehe ich auch das erste Mal wieder locker laufen. Hier werde ich heute auch ganz bewusst auf den Puls achten und schauen, dass dieser im normalen Bereich bleibt. Wird zwar wahrscheinlich ziemlich langsam werden, aber das ist fürs Erste egal. Morgen steht dann wieder Schwimmen in der Früh auf dem Plan und am Nachmittag geht es für zwei lockere Stunden aufs Rad. Auch der Mittwoch und Donnerstag wird noch sehr ruhig ablaufen und erst am Freitag steht dann die erste Intensität auf dem Programm.

Bis dahin versuche ich einfach wieder gut reinzukommen und nichts vorschnell zu überziehen! Am Ende der Woche werde ich dann um die 20 Stunden Training stehen haben. Zum Vergleich: Normalerweise sind es in einer intensiven Woche zwischen 25 und 30 Stunden. Wir versuchen jetzt also nicht direkt das verlorene Training “aufzuholen”, sondern versuchen wieder einen normalen Rhythmus aufzubauen. Der Einstieg ist auf jeden Fall immer das Härteste!

Die letzte Woche Winter

Der aktuelle Trainingsblock neigt sich dem Ende entgegen und somit auch die Zeit hier in Nürnberg. Natürlich nicht endgültig, aber ab Sonntag bin ich für die nächsten zwei Monate unterwegs! Das Ziel: zunächst einmal drei Wochen Fuerteventura mit dem Kader der DTU. Dafür brauche ich aber erst einmal noch grünes Licht vom Deutschen Herzzentrum…

Die letzten Wochen vergingen ziemlich schnell und ich habe meine ganzen Routinechecks abgehakt und kann mich jetzt wieder voll und ganz auf das Training konzentrieren. Wer sich noch genauer für die Daten der Leistungsdiagnostiken aus Leipzig letzte Woche interessieret, der sollte in die letzte Podcast Episode reinhören. Dort gibts alle Watt-, Laktat und Herzfrequenzwerte von meinen Tests 😉

Gerade sitze ich im Wartezimmer des Deutschen Herzzentrums in München und bin schon etwas nervös. Ich lasse hier jedes Jahr meine angeborene Aortenklappeninsuffizienz überprüfen. Hört sich erst einmal spektakulärer an als es ist… dieser angeborene Herzfehler kommt ziemlich häufig vor und ist eigentlich unbedenklich. Kurzer Exkurs: Die Aortenklappe ist “undicht”, das bedeutet ein kleiner Teil sauerstoffreichen Blutes, strömt aufgrund der fehlerhaften Klappe zurück in den linken Ventrikel und behindert somit den Blutfluss. Solange der Rückstrom sich nicht erheblich erhöht, sich der linke Ventrikel krankhaft vergrößert oder sich die Aorta unmittelbar hinter der Klappe enorm verbreitert, ist alles gut und ich kann den Sport uneingeschränkt weiter ausüben. Trotzdem bin ich aber immer etwas nervös, dass sich die Situation verschlechtert und dadurch plötzlich den Leistungssport beenden müsste. In meinem Fall ist der Fehler aber seit 2013 bekannt und wird seitdem jährlich kontrolliert. Bis jetzt war jegliche Veränderung noch im Rahmen und das einzig auffällige ist die Größenzunahme meines gesamten Herzens aufgrund des Sports. Das sorgt aber hauptsächlich nur für die Faszination bei den untersuchenden Ärzten und angeblich ist mein Herz mit einem Fassungsvermögen von 1,8 Litern hier wirklich sehr außergewöhnlich :() Daumen drücken das alles so bleibt wie es ist!

Der Rest der Woche wird erfahrungsgemäß ziemlich voll mit Training, letzten Vorbereitungen und Packen für das Trainingslager. Wenn alles nach Plan läuft werde ich zwei Monate am Stück unterwegs sein und ich hab noch keine Ahnung was ich dafür alles einpacken soll;)

Das nächste Mal melde ich mich von der Insel, dann auch wieder mit Bildern.

Bis dahin, einen guten Start in die Woche!

Simon

Zurück zur Routine

Der Titel ist Programm! Nach dem etwas anderen Trainingsstart im Dezember auf Fuerteventura, den Weihnachtsfeiertagen zuhause in Steingaden und der Zeit zwischen den Jahren, bin ich wieder voll in meiner wöchentlichen Routine angekommen. So gerne ich auch in Trainingslagern und auf Wettkampfreise bin, so schön ist doch auch die Routine zuhause hier in Nürnberg.

Ich muss ehrlich sein, wenn der Zeitraum nicht zu lange ist, ziehe ich auch wirklich gerne das Training in der Winterkälte durch. Vielleicht ist das mein Background als Skifahrer oder auch nur mein Hang zur Selbstquälerei – der hier durchschlägt 😉 aber es hat einfach was, in der Früh durch die Kälte zu laufen oder eine längere Einheit indoor auf der Rolle durchzuziehen.

Wie sieht die Routine aus?

Im Moment liegt der Fokus im Training auf dem Schwimmen und Laufen. Dabei waren die letzten drei Wochen eher umfangsorientiert und bei den härteren Einheiten wechselte die Intensität meist zwischen VO2max (also kurzen schnellen Intervallen) und klassischem Schwellentraining. Zur Zeit bin ich sechs Mal die Woche im Wasser, fünf Mal Laufen und vier bis fünf Mal auf dem Rad. Montag und Donnerstag steht zusätzlich nach dem Schwimmen noch Krafttraining auf dem Programm.

Der letzte Trainingsblock in Zahlen

  • Schwimmen: 73km / 23h
  • Rad: 675km / 24h (90% indoor)
  • Laufen: 240km / 18:30h
  • Kraft: 6h
  • Ski Langlauf: 70km / 4h
  • Gesamt: 75:30h

Diese Woche ist Entlastungswoche, auch wenn es nicht so entspannt wird, wie die Gesamtstunden erst einmal vermuten lassen würden. Es geht nämlich ab nach Leipzig zum großen Check up. Neben Herzultraschall, Blutbild und orthopädischer Untersuchung, stehen vor allem drei Leistungsdiagnostiken im Fokus: jeweils ein Stufentest in allen drei Disziplinen. Die Testverfahren sind vielleicht nicht mehr die modernsten, aber sie sind sehr ehrlich, ohne jegliche Hochrechnung und vor allem die Schwellenleistung lässt sich dadurch gut bestimmen. Im Vergleich zu letztem Jahr bin ich zwar noch deutlich kürzer im Training, aber trotzdem schon gespant und muss zugeben, ein bisschen Vorfreude auf die harten Tests ist auch mit dabei;)

Es wird auf jeden Fall ziemlich anstrengend!

Neujahrsvorsätze und so – Teil 2

Heute gibt es, wie angekündigt, einen kleinen Ausblick auf meine Saisonplanung. Natürlich ist da zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts in Stein gemeißelt und vor allem im Hinblick auf die sich ständig ändernden Coronaregeln kann man nichts sicher planen. Daher will ich auch noch gar nicht auf meine Wettkampfplanung eingehen, sondern erst einmal die anstehenden Trainingslager und den Aufbau bis zum ersten Rennen planen. Nach letztem Jahr komplett ohne Trainingslager in der Vorbereitung, will ich auf jeden Fall nicht nur in Nürnberg trainieren. Meiner Meinung nach kann man gut einen gewissen Teil der Saisonvorbereitung gut in der Kälte und auf der Rolle absolvieren. Ein Tapetenwechsel ist aber trotzdem wichtig um im Kopf frisch zu bleiben!

Saisonstart

Quelle: Projekt Classof22

Dieses Jahr bin ich ziemlich spät ins Training gestartet und das merke ich auch aktuell noch deutlich im Training. Durch die lange letzte Saison, den Bundeswehrlehrgang und meine Ellenbogenverletzung, ging es für mich erst im Dezember wieder los. Im Vergleich zu letzter Saison war ich Anfang Januar schon zwei Monate länger im Training und die Einheiten waren schon deutlich intensiver. Da muss man aber einfach cool bleiben und auf den Trainingsplan und den Trainer vertrauen. Bis zu den ersten Rennen ist es noch ein ganzes Stück und ich habe noch das ein oder andere Trainingslager vor mir, die mir dann hoffentlich noch den nötigen Formboost geben 😉

Trainingslager numero uno

Quelle: Tom Meyer

Die aktuelle Planung sieht vor, dass ich Anfang Februar mit der Nationalmannschaft nach Fuerteventura ins Trainingslager gehe. Darauf freue ich mich schon ziemlich, weil es dort wieder neue Gesichter und Abwechslung im Training geben wird. Außerdem werde ich zu diesem Zeitpunkt sechs Wochen hier in Nürnberg trainiert haben und für das ist für mich genau die richtige Dauer, bevor es in der Kälte hier zäh wird durchzuziehen.

Trainingslager numero dos

Quelle: mein Handy

Nach diesen drei Wochen werde ich aber auch wieder froh sein von der eintönigen Vulkaninsel runterzukommen. Die nächsten zwei Wochen sind noch nicht ganz spruchreif, aber eventuell (wenn die Flugverbindung passt) werde ich von Fuerte direkt nach Mallorca fliegen und mich der jüngeren Trainingsgruppe aus Nürnberg anschließen. Dort ist Michelle als Trainerin mit dabei und ich kann meine ersten ruhigen Tage nach den intensiven Wochen in Fuerte genießen und ein bisschen Zeit mit meiner besseren Hälfte verbringen 😉 Danach wird natürlich wieder hart trainiert und Mallorca ist einfach immer eine Reise wert!

Trainingslager numero tres

Um die Reise durch den Süden perfekt zu machen, habe ich dann vor mit der Fähre ans Festland überzusetzen und von Barcelona mit dem Zug nach Girona zu fahren. Dort werde ich wieder mit der Gruppe aus Nürnberg zusammentreffen und den Rest des März in DER Triathlon- /Radsportstadt trainieren. Wir haben dort letztes Jahr sehr gute Erfahrungen gemacht und die Kombination von Trainingsbedingungen, Kaffees und Stadtleben ist sicher einzigartig.

Mal sehen ob das alles so klappt, aber es wäre auf jeden Fall ein richtig cooles Erlebnis und nicht nur Trainingslager, sondern auch ein bisschen Urlaub und Abenteuer… mit gerade mal drei relativ kurzen Flügen, auch noch mit meinem Umwelt-Gewissen zu vereinbaren.

Ich halte euch hier auf jeden Fall auf dem Laufenden!

Neujahrsvorsätze und so – Teil 1

Das wars also mit 2021! Damit das hier aber kein langweiliger Jahresrückblick wird, denn davon gab es sicherlich schon genug, werde ich in diesem Blog mal einen vorsichtigen Blick auf das vor uns liegende Jahr werfen und meine persönlichen Vorhaben aufschreiben. So etwas soll ja bekanntlich bei der Verwirklichung helfen… Wer trotzdem noch nicht genug von Rückblicken hat, kann sich aber natürlich gerne die letzte Episode der Muskelmeisterei anhören.

Grundsätzlich bin ich kein Fan davon, jedem Jahresende bzw. -beginn entgegenzufiebern und mir alle möglichen Vorsätze fürs neue Jahr vorzunehmen. Das vergangene Jahr wird dadurch ja nicht gelöscht und man vergisst vielleicht, die guten Dinge ins neue Jahr mitzunehmen. Trotzdem kann ich mich der ganzen Besinnung über die Feiertage nicht völlig entziehen und nehme mir auch gerne die ein oder andere Sache fürs neue Jahr vor.

Ich würde mich eher als einen analytischen Typ bezeichnen und daher habe ich mir zwei Dinge für das neue Jahr vorgenommen, die im Letzten vielleicht nicht perfekt liefen.

intensity control / train smart

Wow englische Begriffe. Hört sich aber einfach besser an als „Intensitätskontrolle und trainiere schlau!“ – finde ich zumindest… Was ich damit meine: Der Sport Triathlon ist als klassischer Ausdauersport, mit viel Fleiß im täglichen Training verbunden. Trotzdem wird wahrscheinlich nicht der Athlet gewinnen, der am meisten und am härtesten trainiert, sondern derjenige, der in den richtigen Bereichen trainiert. Letztes Jahr habe ich zusammen mit meinem Coach wieder viel über meinen Körper dazugelernt und zu wenig und zu langsames Training war sicher nicht das Problem am Anfang der Saison 😉 daher gilt also für dieses Jahr: schlau und in den richtigen Bereichen im Training zu agieren.

Lebe den Moment! 

Dieses Mal deutsch, dafür aber eine ganz schön abgedroschene Phrase. Im eigentlichen Sinn aber sehr schön und meiner Meinung nach ein guter Neujahrsvorsatz. Ich neige schnell dazu, immer ans Nächste zu denken und entspannte Momente zu wenig wertzuschätzen. Der Ehrgeiz der mir im Sport sicher hilft erfolgreich zu sein, steht mir hier öfter mal im Weg. Daher finde ich den Vorsatz sehr passend für mich, die schönen Momente dieses Jahr mehr zu genießen – im Sport aber auch abseits davon.

So viel zu meinen Vorsätzen für 2022. Wem der Beitrag zu philosophisch war – Pech gehabt. Nächste Woche gibts dafür wieder mehr Triathlon und ich stelle euch meine geplanten Trainingslager und Wettkämpfe für die nächsten Monate vor, so gut es geht bei der aktuellen Situation. 2022 ist wohl doch nicht so anders als 2021 🙁

Same procedure as every year…

Nach einem sehr entspannten November, bin ich letzten Dienstag nach Fuerteventura geflogen. Meine Trainingsgruppe ist schon eine Woche vorher aufgebrochen, aber ich wollte noch ein paar Tage in Nürnberg verbringen. Die letzten Jahre hatte ich meinen Trainingsbeginn zwar immer schon etwas früher, aber es hat sich bewährt, hier im Dezember in der Sonne eine gute Grundlage für die neue Saison zu legen.

Auch dieses Jahr sind wir wieder zusammen mit der österreichischen Nationalmannschaft unterwegs und haben so eine abwechslungsreiche Truppe, die das Training nie langweilig werden lässt. Dadurch dass ich etwas später dazugestoßen bin, habe ich bei den meisten Einheiten auch noch etwas weniger und lockerer trainiert. Die letzte Woche war also perfekt zum “reinkommen” in den Trainingsalltag.

Die letzte Woche in Zahlen

  • Swim: 5 Einheiten/ 7:05h/ 24km
  • Bike: 5 Einheiten/ 12:30h/ 340km
  • Run: 5 Einheiten/ 4:00h/ 50km
  • Gym/ Athletik: 3 Einheiten/ 2:30h
  • Gesamt: 26:05h

Vor allem zu Beginn der Saison ist es immer interessant die Entwicklung im Training zu beobachten. Es ist jedes Jahr wieder erstaunlich, wie schnell man von der Top Form beim letzten Triathlon der Saison, durch drei Wochen Saisonpause komplett unfit wird;) Natürlich ist das Training des letzten Jahres, durch die kurze Pause nicht weg, aber am Anfang fühlt man sich genau so! Als hätte man Jahre nicht trainiert. Während der Saison fühlen sich die Bewegungen komplett natürlich und harmonisch an und man hinterfragt eigentlich kaum einen Ablauf. Jetzt hingegen hinterfrage ich jeden Zug beim Schwimmen und jeden Schritt beim Laufen. Die Bewegung an sich fühlt sich einfach noch nicht ganz natürlich an und ich brauche immer ein paar Tage, bis ich mich im lockeren Training wieder wohlfühle.

Die erste Hälfte des Trainingslagers ist jetzt vorbei und ab morgen kommen auch schon ein paar schnelle Meter im Grundlagentraining dazu. Das ist aber eigentlich immer ganz angenehm und eine willkommene Abwechslung bei den längeren Trainingseinheiten. Der Coach hat auch angekündigt, dass morgen beim Radfahren Laktat gemessen wird, damit wir uns auch genau an die individuellen Trainingsbereiche halten. Dazu aber dann nächste Woche mehr…

Bis dahin – euch allen eine entspannte vorweihnachtliche Zeit!

No Plan November

Da ja inzwischen jeder den “Movember” kennt, habe ich dieses Jahr für mich persönlich den “No Plan November” eingeführt. No Plan beinhaltete dabei: in erster Linie kein Trainingsplan, kein Training, kein Blog und leider auch einen ungeplanten und sehr schmerzhaften Crash.

Doch alles der Reihe nach… nach meinem Abschlussrennen in Portugal ging es für mich direkt nach Warendorf, für einen dreiwöchigen Bundeswehrlehrgang. Dabei stand dieses Mal keine militärische Weiterbildung an, sondern ein Übungsleiterlehrgang (Trainer C). Gleichzeitig gab es die Order von Roland, zwei Wochen die Beine hochzulegen und vielleicht mal die Laufschuhe in die Hand zu nehmen – aber ansonsten Trainingsverbot;) Ich habe dieses Jahr auch wie nie zugvorgemerkt, wie sehr ich diese Pause und den bewussten “Fokus-Verlust” gebraucht habe. Ansonsten hatte ich meistens nach ein bis zwei Tagen schon wieder den Drang mich zu bewegen und zu trainieren, aber dieses Jahr war ich wirklich froh über die Pause. Ich merkte richtig, wie die lange Saison mich mental und körperlich gefordert hatte und wahrscheinlich wäre jede weitere Trainingswoche nach dem Rennen in Portugal eher kontraproduktiv gewesen.

Nach zwei Wochen kehrte dann aber langsam der gewohnte Bewegungsdrang zurück und ich hatte zwar noch eine Lehrgangswoche vor mir, wollte aber am Abend nach dem Unterricht wieder ins Training einsteigen. Wollte… Als ich nämlich am Sonntag Richtung Bahnhof unterwegs war, blieb ich in einer Straßenbahnschiene hängen und machte einen eher uneleganten Abgang über den Lenker. ich war nicht schnell unterwegs und dachte zuerst auch das nichts passiert war, aber im Laufe der Zugfahrt schwoll mein linker Ellenbogen an und ich konnte ihn kaum noch bewegen. Die Nacht auf Montag war ebenfalls ziemlich schmerzhaft und ich beschloss ins Krankenhaus zu fahren, um ein Röntgenbild zu machen und einen Bruch auszuschließen. Zum Glück konnte man hier auch nichts erkennen, außer einem großen Bluterguss im Gelenk, der wahrscheinlich auf eine Kapselverletzung zurückzuführen ist. Auch die Bänder und Sehnen hat es etwas erwischt. So verlängerte sich die Saisonpause gleich mal auf drei Wochen… Ich habe aber die Zeit gut genutzt und mich beim Bundeswehrarzt boostern lassen.

Jetzt bin ich wieder in Nürnberg und zum Glück wird der Ellenbogen von Tag zu Tag besser. Da ich die Impfung gut vertragen habe, war ich am Wochenende schon ein paar mal auf der Rolle und Laufen geht ebenfalls problemlos. Schwimmen ist natürlich noch nicht mit beiden Armen möglich, ich hoffe aber, dass das nächste Woche auch wieder geht.

Am Dienstag den 07.12. geht es dann ab in den Süden für die ersten Grundlagenkilometer der Saison. Bis dahin wäre es natürlich wichtig, dass ich wieder voll einsatzbereit bin. Der Rest der Nürnberg Gruppe ist heute geflogen, ich hatte aber schon im Vorfeld geplant, noch eine Woche locker in Nürnberg zu trainieren und erst dann zur Gruppe zu stoßen.

Soweit das Update von mir, euch allen einen besinnliche erste Dezemberwoche und die besten Adventskalendergeschenke!

Das Beste kommt zum Schluss

Ich halte zwar nicht allzu viel von solchen Standardphrasen, aber hier trifft die Aussage wohl “den Nagel auf den Kopf”… haha. Spaß beiseite, das Wochenende in Quarteira hat vor allem richtig Spaß gemacht und es ist natürlich ein Traum, mit meinem ersten internationalen Podium die Saison zu beenden. Neben dem erfolgreichen Rennen, waren aber auch einfach all die Dinge mit dabei, die den Sport so besonders machen.

Was meine ich damit? Dass ich den Sport so ausüben kann wie ich das aktuell tue, sehe ich erst einmal als ein unglaubliches Privileg. Trotzdem ist das ganze Profidasein natürlich neben seinen Höhen, auch mit vielen Tiefen und Momenten des Zweifelns verbunden. Diesen Prozess und manche Dinge, die viele Leute vielleicht als Opfer oder Verzicht sehen würden, genieße ich an den meisten Tagen oder kann sie zumindest gut aushalten. Aber ohne solche Momente wie am Wochenende würde ich vermutlich nicht mit derselben Intensität für den Sport brennen. Damit meine ich jetzt auch nicht nur das erfolgreiche Rennen! Das ist aus meiner Position jetzt zwar sehr einfach zu sagen, aber ganz unabhängig vom Ergebnis, hatte ich auch schon vor dem Wettkampf diese Momente.

Da war zum Beispiel die Radausfahrt am Donnerstag. Ich bin alleine gereist und habe die ganze Zeit Musik und Podcast gehört oder Netflix geschaut. Als ich in Quarteira ankam, hatte ich gerade noch genug Zeit um mein Rad aufzubauen und noch eine kleine Runde zu drehen bevor es dunkel wurde. Wenn ich alleine mit dem Rad unterwegs bin höre ich oft Musik, aber nach dem ganzen Tag Beschallung, hatte ich darauf überhaupt keine Lust und fuhr einfach los. Die ersten Meter Bewegung sind an so einem Reisetag mit viel Sitzen immer die Hölle. Die Beine sind schwer und der Kreislauf total im Keller. Aber nach 15 Minuten fand ich einen guten Rhythmus und genoss die Ruhe und die untergehende Sonne. Ich konnte mich einfach voll in die Bewegung vertiefen, dachte an nichts anderes und fühlte mich enorm klar. Genau solche Momente finde ich aber auch einfach nur dann, wenn man sich davor überwindet und bewusst auf die Aufgabe einlässt.

Insgesamt waren wir zu sechst in einem Air BnB untergebracht, also war der Freitag vor dem Rennen auch sehr unterhaltsam. Wir machten gemeinsam unsere Rennvorbereitung und verbrachten die meiste Zeit mit dem typischen Vorwettkampf – Gequatsche, bei dem man sich eigentlich nur gegenseitig aufzieht, um die eigene Nervosität zu überspielen;) Diese Momente in guter Gesellschaft machen auch einfach Spaß und gehören zu einem typischen Wettkampfwochenende dazu.

Doch jetzt zum Rennen an sich. Ich hatte Startnummer vier und zählte damit das erste Mal dieses Jahr zum erweiterten Favoritenkreis. Es ist zwar nur eine Nummer, aber ich verspürte dadurch auch mehr Druck von Außen als sonst. Zum Verständnis: Die Nummern bilden die Rangfolge der Athleten in der Weltrangliste ab. Ich war also der Viertbestplatzierte im Ranking der am Samstag am Start war. Das Rennen ging über die olympische Distanz und auch wenn ich mir hauptsächlich einen versöhnlichen Saisonabschluss vorgenommen hatte, wollte ich doch insgeheim das Podium angreifen.

Das Start war zunächst einmal ziemlich ruppig und der Wellengang erleichterte die Orientierung im großen Starterfeld nicht gerade. Nach der ersten von zwei Schwimmrunden, befand ich mich im vorderen Drittel, sah aber dass sich ganz Vorne niemand lösen konnte. Ich machte auf der zweiten Runde ein paar Plätze gut und stieg in einer guten Ausgangslage (20sek Rückstand auf Position eins) aus dem Wasser.

Auf der ersten von sechs Radrunden konnte ich die Lücke nach Vorne gleich schließen, nahm dabei aber auch einige andere Athleten mit nach Vorne. So fand ich mich in einer 21 Mann starken Spitzengruppe wieder und versuchte zwar das Tempo hochzuhalten, gleichzeitig aber auch nicht zu viel zu investieren. in Runde drei und vier konnte ich mich mich ein paar Mal vom Hauptfeld lösen, wurde aber nach ein paar Kilometern immer wieder eingeholt. Danach entschied ich mich aufs Laufen zu warten und auch wenn ich mich nicht endgültig lösen konnte, hatte es einigen Athleten Kräfte gekostet meine Attacken wieder zu neutralisieren. In der letzten Runde attackierte dann ein Niederländer, aber ich entschied mich dagegen, alleine nachzufahren und hielt es für nicht sehr sinnvoll, gerade unmittelbar vor dem anstehenden 10km Lauf noch einmal so hart zu fahren.

Ich stieg als dritter vom Rad und hatte eigentlich die perfekte Ausgangslage, ganz Vorne mit auf die Laufstrecke zu gehen. Dann passierte mir etwas, was ich davor noch nie erlebt hatte. Ich blieb mit meinem Fuß beim Anziehen des rechten Schuhs hängen und musste ihn mit viel Kraft nach vorne in den Schuh drücken. Das löste, warum auch immer, einen ziemlich starken Krampf im rechten Oberschenkel aus, was es nicht gerade einfacher machte den linken Schuh anzuziehen 😉 Der Krampf löste sich zwar beim Loslaufen wieder, aber ich lief dadurch als Letzter aus der Wechselzone was mich enorm ärgerte. Meine Beine fühlten sich aber sehr gut an und nach dem ersten Kilometer hatte ich die meisten Athleten wieder überholt und lief an Position fünf, mit einem Rückstand von ca. fünf Sekunden, zu Platz zwei bis vier. Der Niederländer war immer noch alleine an der Spitze.

Nach meinem schnellen Anlaufen merkte ich, dass ich es zu dem Trio vor mir (mit dabei die Favoriten Anthony Pujades & David Castro) nicht ganz schaffen würde und nahm etwas Tempo raus. Ich fand aber einen guten Schritt und schon nach einer Runde musste der Brite bei Pujades und Castro abreißen lassen und ich arbeitete mich an Position vier vor. In der zweiten Runde holten die beiden den Niederländer ein und vor mir bildete sich wieder ein Trio. Ich lief jetzt ca. zehn Sekunden dahinter, verlor kaum, aber kam auch nicht näher. Ich blieb die ganze Zeit fokussiert und war mir sicher, dass der Niederländer auch noch abreißen lassen würde. Ich wollte unbedingt diesen dritten Platz! Mitte der dritten Runde trat dann genau das ein und Anfang der vierten Runde stellte ich den Kontakt zu Platz drei her. Ich lief aber nicht viel schneller und reihte mich erst einmal hinter dem Niederländer ein und nutze den Windschatten um mich etwas zu erholen. ich hatte ihn auch etwas unterschätzt, denn bei Kilometer acht beschleunigte er zwei-, dreimal und versuchte mich loszuwerden. Auch vor dem Wendepunkt hielt er dagegen und ließ mich nicht vorbei. Ich beschloss es auf einen Zielsprint ankommen zu lassen, aber testete ihn noch einmal ca. 400 Meter vor dem Ziel. Dieses Mal erhöhte ich das Tempo deutlich und er hielt nur kurz dagegen und musste mich dann aber vorbeilassen. Ich biss auf die Zähne und hielt das Tempo weiter hoch und merkte wie ich mich lösen konnte! Platz eins und zwei hatte ich dabei die Ganze Zeit im Blick und kam auch hier nochmal näher, aber am Ende fehlten hier doch ein paar Sekunden um noch weiter vorne zu landen. Kurz vor dem Ziel nahm ich dann etwas Tempo raus um den Zieleinlauf zu genießen! Der Niederländer kam zehn Sekunden danach ins Ziel und hatte mir wirklich einen guten Kampf geliefert.

Abschließend lässt sich sagen, dass ich sehr zufrieden mit dem letzten Rennen der Saison bin und dass der dritte Platz am Abend auch mit ein paar Bier gut gefeiert wurde;) In den nächsten Tagen lasse ich die Saison erst einmal sacken und genieße die Saisonpause so gut es geht (hier beim Bundeswehrlehrgang in Warendorf). Die Tage wird auf jeden Fall auch ein Podcast zum Wochenende rauskommen, den ihr euch gerne anhören könnt.

Bis dahin… Over and Out

Runners High in Barcelona

Schnell und undankbar. Diese zwei Worte fallen mir direkt ein, wenn ich an den Europacup am vergangenen Sonntag denke. Schnell daher, da es beim Sprintrennen in Barcelona von Anfang an direkt zur Sache ging und vor allem der Kurs ein unglaublich schnelles Rennen ermöglichte. Undankbar, da es auf diesem Niveau einfach sehr viele schnelle Läufer gibt und nur Sekunden den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage bedeuten.

Das ganze Set up des Wettkampfes war zunächst einmal sehr angenehm und entspannt. Zwar bot die Uferpromenade von Barcelona keine sehr malerische Szenerie, sondern eher triste und graue Häuserfronten, dafür war aber die Stimmung unter den Athleten umso angenehmer und fast schon ausgelassen. Man merkte auf jeden Fall, dass es für viele das letzte Rennen der Saison und das letzte Hindernis für die lang erwartete Offseason war. Die Urlaubsstimmung lag definitiv in der Luft. Für mich bestand die Schwierigkeit eher darin, den Switch von der Trainingslagerstimmung aus Girona, zu einer richtigen Wettkampfstimmung vor Ort hinzubekommen. Wenn man hier einfach so ohne Spannung an der Startlinie steht und sich nicht selbst ordentlich pusht, hat man auf den umkämpften ersten Metern eigentlich schon verloren.

Durch den kurzen Weg, reisten wir erst am Samstag morgen aus Girona an und verbrachten auch nicht viel Zeit mit den Streckenbesichtigungen. Das Meer war so unruhig, dass es einen nur müde machte zu schwimmen und viel Gefühl baut man hier im Salzwasser sowieso nicht auf. Auch der Radkurs war ziemlich stupide an der Küste entlang und nicht einmal die Wendepunkte waren kritisch, sondern wurden durch eine doppelte 90 Grad Kurve entschärft. Die Zeichen standen vor dem Rennen also eigentlich alle auf einer schnellen Laufentscheidung. Bei so einem flachen Kurs ist es immer schwer für Spitzengruppen durchzukommen, da die Verfolger die Ausreißer immer vor Augen haben und durch den Windschatten, ab einer bestimmten Distanz angesogen werden. Allerdings waren ein paar Athleten am Start, die das Rennen entscheidend beeinflussen konnten (z.B. Jonas Breinlinger aka Tyler oder Dylan McCullough). Diese Athleten haben vor allem eine sehr gute Schwimm/ Rad Kombo und versuchen eigentlich immer von Anfang eine kleine Spitzengruppe zu etablieren. Ihre Chancen für eine vordere Platzierung stehen so einfach deutlich besser, als wenn es auf eine Laufentscheidung mit allen Athleten ankommt.

Mir geht es da natürlich genauso und die Startliste war vor allem mit sehr guten Läufern besetzt. Daher war mein Ziel auch, wenn möglich ganz vorne aus dem Wasser zu kommen und am Rad auch gleich zur Führungsarbeit beitragen zu können und nicht erst viel Energie in eine Aufholjagd zu verschwenden.

Doch jetzt zum Rennen: die erwartete Laufentscheidung blieb aus… naja fast zumindest. Mit meinem Schwimmen bin ich relativ zufrieden, aber ich verlor am Rückweg im hohen Wellengang etwas die Orientierung und machte unnötige Meter. Ich kam ca. an 20ter Position aus dem Wasser mit 18sek Rückstand auf die Spitze. Doch das waren ein paar Sekunden zu viel. Irgendwo vor mir ging die Lücke am Anfang des Radfahrens auf und als ich mich vorgearbeitet hatte, sah ich ca. 100 Meter vor mir eine 12-köpfige Spitzengruppe. Der Nachteil an so einem technisch einfachen und flachen Kurs ist die gesamte Geschwindigkeit des Rennens. Man sieht als Verfolger zwar die Führenden vor sich, kann aber aufgrund der bereits hohen Geschwindigkeit wenig Unterschied machen. Die erste Runde fuhr ich einen 47km/h Schnitt und verlor zwar nicht auf die Führenden aber konnte eben auch keine Sekunden gut machen. Vorne waren auch genau die üblichen Verdächtigen und waren sich einig, dass sie vorne auch weiter unter sich bleiben wollten 😉 Als dann noch die dritte Radgruppe zu meiner bereits großen Gruppe aufschloss, wurde es fast unmöglich, gut zusammenzuarbeiten und der Vorsprung der Ausreißer wuchs bis auf 35sek an.

Daher beschloss ich ab Kilometer 10, mich taktisch klug zu verhalten und möglichst viele Körner fürs laufen zu sparen. Ich positionierte mich auch bei der Anfahrt auf die Wechselzone gut und stieg als Erster vom Rad. Schon auf den ersten Laufmetern fühlte ich mich sehr gut und reihte mich hinter den ersten Läufern auf meiner Gruppe ein und fokussierte mich einfach nur auf den Athleten vor mir.

Das Tempo war wie immer zu Beginn des Laufens sehr hoch, aber dieses Mal konnte ich meinen Schritt gut finden und fühlte mich nicht direkt komplett am Anschlag. Ich merkte aber dass wir sehr schnell unterwegs waren und beim ersten Wendepunkt hatten wir den Rückstand auf die langsameren Läufer aus der Spitzengruppe bereits halbiert. Auch meine Gruppe dünnte sich immer mehr aus und nach einer von zwei Laufrunden waren wir noch acht von anfangs über 40 Athleten. Ich merkte richtig wie ich mich im Windschatten etwas erholen konnte und blieb immer an Position drei bis vier um möglichst viel Energie zu sparen. Bei Kilometer drei verschärfte dann ein Spanier abrupt das Tempo und ich musste kurz Zeit richtig auf die Zähne beißen. Motivierte mich aber mit dem Gedanken, dass es einfacher war in der Gruppe als alleine zu laufen und konnte den Kontakt wieder herstellen. Danach überholten wir noch ein zwei weitere Athleten und ich lag jetzt an Position 14. Auf den letzten Metern ging mir dann aber doch etwas die Luft aus und ich konnte nicht mehr mit um die Top 10 sprinten und lief zufrieden ins Ziel.

Am Ende stand eine Laufzeit von 14:38min und ein 14ter Platz in der Ergebnisliste. Vor dem Rennen hätte ich mir diese Zeit niemals zugetraut und auch wenn ich beim Schwimmen mein Ziel nicht ganz erreicht habe, macht das der sehr gute Lauf wieder wett und ich kann definitiv Selbstvertrauen für die letzten Rennen der Saison mitnehmen.

Gerade sitze ich am Flughafen in Barcelona und warte auf meinen Flug nach Mallorca. Das nächste Rennen findet am Samstag statt und wird definitiv ein Abenteuer: Challenge Peguera über die Mitteldistanz. Mal sehen was mich hier erwarten wird!

Bundesligafinale in Saarbrücken

Bundesligarennen sind immer richtig cool. Vor allem dieses Jahr wurden hier ein paar neue und erfrischende Formate ausprobiert, die auch mir als Athlet sehr viel Spaß gemacht haben. Das Rennen am vergangenen Samstag war ebenfalls ein besonderes Format: Jedes Team stellte vier Athleten an den Start. Die ersten drei Athleten mussten zunächst nacheinander 600m im Becken schwimmen und warteten anschließend vor der Wechselzone auf den vierten Athleten. Der Schlussschwimmer der Staffel musste dann nach 650m direkt aus dem Wasser zum Rad laufen und zusammen mit den wartenden Athleten aus seinem Team auf die Radstrecke gehen. Rangefahren wurden 20km, wobei Windschatten fahren im Team erlaubt, aber zusammen mit anderen Teams verboten war. Zum Abschluss wurden dann noch fünf Kilometer auf einer welligen Strecke gelaufen und im Ziel zählte die Zeit des dritten Athleten. Man durfte also einen Athleten im Laufe des Rennens “verlieren”.

Das Optimum wären also vier sehr starke – und in den Disziplinen – ausgeglichene Athleten, die sich gegenseitig in der Führung abwechseln können und so möglichst schnell das Ziel erreichen würden. Vor allem durfte aber kein Athlet eine starke Schwäche im Schwimmen haben, da die Schwimmstrecke mit addiert 2450m, überproportional lang war (im Verhältnis zum Radfahren und Laufen). In unserem Fall hatten wir vier sehr unterschiedliche Athletentypen, die sich aber in einem Teamrennen sehr gut ergänzen konnten. Ich zähle mal kurz unsere Aufstellung in Startreihenfolge auf:

  1. Timo Hackenjos: sehr guter Schwimmer, übergibt vermutlich in Führung; kann auf dem Rad das Backup machen und als großer Athlet unserem kleinen Franzosen Arnaud viel Windschatten geben 😉 hat im Laufen wahrscheinlich nicht ganz die schnellen Beine um mitzulaufen aber kann bis zum Radabstieg möglichst viel Arbeit übernehmen und uns einen Vorteil im Schwimmen verschaffen
  2. Ich: guter Schwimmer; versuche den Vorsprung von Timo zu halten und an Eric zu übergeben; kann erholt aufs Rad steigen und hier viel arbeiten; wenn nötig Arnaud im Laufen schieben
  3. Eric Diener: Schwimmt etwas schwächer als ich aber wird nicht entscheidend viel im Wasser verlieren; ebenfalls stark auf dem Rad und kann sich mit mir in der Führung abwechseln; hat im Laufen auch keine Schwierigkeiten mitzulaufen oder mal Arnaud zu schieben
  4. Arnaud des Boscs: ähnlich wie Timo sehr guter Schwimmer; muss aber direkt aufs Rad steigen und dann versuchen dranzubleiben; hatte im Laufen eine verletzungsbedingte Pause, kann aber auch gut laufen

Wir rechneten vor dem Wettkampf unsere Chancen durch und kamen im Optimalfall auf Rang drei, da Buschhütten das Team Saar auf jeden Fall stärker einzuschätzen waren, aber auch das Team aus Süßen und Darmstadt eine gute Mannschaft am Start hatten. Ich persönlich hatte aber einfach nur mega Bock auf den Wettkampf und vor allem die Radstrecke sah vor dem Rennen mit zwei Anstiegen pro Runde und vielen technischen Passagen sehr vielversprechend aus.

Langer Vorbericht, kurzer Rennbericht. Unser Plan ging auf! Im Schwimmen hatte ich zwar nicht so gute Arme wie erhofft, aber wir kamen zusammen mit Buschhütten und Darmstadt, aber bereits 25sek hinter Team Saar aus dem Wasser. Auf dem Rad fühlte ich mich dafür richtig gut und wechselte mit ca. 50/50 mit Eric ab und wir konnten Darmstadt distanzieren und an den Vorjahressiegern aus Buschhütten dranbleiben. ich merkte allerdings schon, dass Arnaud hier ganz schön zu kämpfen hatte und musste hier dosiert um die Kurven und in die Anstiege fahren, um ihn hier nicht zu verlieren.

Saarbruecken, Deutschland – August 28: Henseleit Simon (42), Eric Diener (43), hep Team NSU, Triathlon Bundesliga 2021 in Saarbruecken. (Photo by JoKleindl)

Team Saar spielte hier voll seinen Heimvorteil aus und fuhr neben der reinen Wattleistung, vor allem auch die technischen Passagen richtig stark. Wir stiegen zusammen mit Buschhütten ca. 55sek hinter den Führenden aus dem Saarland vom Rad und gingen nun auf die Laufstrecke.

Saarbruecken, Deutschland – August 28: Simon Henseleit (42), Eric Diener (43), Arnaud Des Boscs (44), Timo Hackenjos (41), hep Team NSU, Triathlon Bundesliga 2021 in Saarbruecken. (Photo by JoKleindl)

Timo konnte am Anfang unserem Tempo leider nicht mehr ganz folgen, aber Arnaud hielt sich mit ein bisschen Anschieben gut. Wir hatten auch nicht den riesigen Stress, denn wir hatten uns auf dem Rad gut absetzen können und vor dem vierten Team aus Süßen ca. 1min Vorsprung. Ziemlich geärgert hat mich aber dann doch die 10sek Zeitstrafe die wir wegen “Blockig” auf dem Rad bekommen haben und beim Laufen absitzen mussten. Fast schon typisch für ein solches Rennen mit Windschattenverbot. Hier muss ich aber wirklich unsere Unschuld beteuern, denn Buschhütten hat uns in der zweiten Runde an einem sehr ungünstigen Zeitpunkt überholt (Am Ende des Uniberges vor einer Abfahrt mit ein paar Kurven) und nur zwei von vier Athleten kamen an unserer Gruppe vor der Kurve vorbei. Das legten die Kampfrichter so aus, als hätten wir nicht alle überholen lassen, aber dafür war einfach zu wenig Platz vor der Kurve… aber halb so schlimm, hat uns keine Platzierung gekostet und mir eigentlich auch wenig ausgemacht.

Saarbruecken, Deutschland – August 28: Simon Henseleit (42), Eric Diener (43), Arnaud Des Boscs (44), hep Team NSU, Triathlon Bundesliga 2021 in Saarbruecken. (Photo by JoKleindl)
Saarbruecken, Deutschland – August 28: Simon Henseleit (42), Eric Diener (43), Arnaud Des Boscs (44), hep Team NSU, Triathlon Bundesliga 2021 in Saarbruecken. (Photo by JoKleindl)

Am Ende landeten wir also auf Platz drei und konnten uns in der Saisongesamtwertung noch auf Rang vier vorarbeiten. Ein Bonus war noch mein zweiter Platz in der Einzel-Gesamtwertung der Bundesliga, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet hatte!

Saarbruecken, Deutschland – August 28: Simon Henseleit, Lasse Nygaard Priester, Jannik Schaufler, Triathlon Bundesliga 2021 in Saarbruecken. (Photo by JoKleindl)

Ein gelungener Abschluss also für das letzte Rennen der Bundesliga!

Diese Woche steht dann vor allem wieder etwas Grundlagentraining an und am Wochenende bin ich mit meinem Hauptsponsor “hep” bei der Challenge Roth als Zuschauer unterwegs. Also mal etwas Zeit um nach den letzten Wochen in Kanada und dem direkt folgenden Rennen in Saarbrücken etwas runterzukommen und sich mental zu erholen…

Bis nächste Woche!

U23 WM Edmonton

Neun Tage Kanada, drei Tage Quarantäne, meine erste olympische Distanz im ITU Bereich und mein zweiter 10. Platz bei einer Weltmeisterschaft.

Das erste Mal, dass ich bei einer WM gestartet bin war vor knapp zwei Jahren, in Lausanne in der Schweiz. Wenn man das Rennen von damals, mit dem jetzigen WM – Rennen vergleicht, sieht man ganz gut wie unterschiedlich ein Triathlon auf der Kurzdistanz ablaufen kann. Bei den Junioren wird die WM immer über die Sprintdistanz ausgetragen, ab der U23 gehts auf der olympischen Distanz zur Sache. Vor zwei Jahren fuhr das gesamte Feld auf dem Rad zusammen und ich ging zusammen mit rund 40 Mann auf die Laufstrecke. Hier war die erste Runde enorm taktisch und keiner traute sich das Tempo zu machen und erst in der zweiten und letzten Laufrunde wurde das Rennen richtig schnell. Am Samstag war ich vom Start, bis Kilometer 20 auf dem Rad komplett am Anschlag!

Schon vor dem Wettkampf am Samstag war klar, dass das Schwimmen enorm schnell werden würde, da einige der schnellsten Schwimmer ( auch im Vergleich zur Elite ) am Start waren. Für mich bedeutete das, schnell anzuschwimmen, mich anschließend taktisch klug zu verhalten und im Wasserschatten vorne mitzuschwimmen. Der Kurs bestand aus zwei Runden a 750m, mit einem kurzen Landgang als Unterbrechung. Ich erwischte einen guten Start und konnte mich gleich vor der ersten Boje vorne etablieren. Danach ging es ordentlich zur Sache, da es einfach sehr viele schnelle Schwimmer gab und es sich vorne überhaupt nicht separierte. Was normalerweise in der Mitte des Feldes passierte, war hier einfach aufgrund der hohen Leistungsdichte ganz vorne der Fall: Es wurde sie mich eng um die Bojen herum und wir bremsten uns alle eher gegenseitig aus, als dass wir voneinander profitierten. Am Ende der ersten Runde stieg ich ungefähr an Position 15 aus dem Wasser, allerdings mit Kontakt zur Spitze und vielleicht mit fünf bis zehn Sekunden Rückstand. Alles nach Plan soweit. 

Was mir aber dann wichtige Sekunden kostete war der Landgang vor der zweiten Schwimmrunde. Als ich wieder ins Wasser sprang, schoss mir richtig das Laktat in die Arme und ich musste ein paar Meter rausnehmen, um wieder meinen Rhythmus zu finden. Danach schwamm ich wieder gut im Feld mit und stieg mit 22 Sekunden Rückstand aus dem Wasser, ohne komplett am Anschlag zu sein. Als ich in die Wechselzone lief konnte ich die ersten Jungs noch aufs Rad springen sehen und war eigentlich zuversichtlich, dass ich die wenigen Sekunden Rückstand schnell zufahren könnte.

Schwimmausstieg // Quelle: Tommy Zaferes

Ich fuhr dementsprechend hart an und sammelte ein paar Athleten von vorne ein aber sah gleich, dass die Spitzengruppe sich vorne schnell organisiert hatte und gut zusammenarbeitete. Nach dem längeren Anstieg auf der ersten von sechs Runden, blickte ich mich um und hatte nur noch vier Leute am Hinterrad. Einer davon hatte leider einen richtig schlechten Tag und konnte keinen Führungsanteil übernehmen. Die restlichen drei und ich versuchten mit allen Mitteln die Lücke nach vorne zu schließen. Es waren nur 20sek Rückstand und die 11 Mann starke Führungsgruppe schien zum Greifen nahe, aber auf der langen Abfahrt und den Geraden die leicht bergab gingen, verloren wir gegen die gut zusammenarbeitende, größere Gruppe einfach immer wieder Zeit. Hinter uns fuhren zwei weitere Radgruppen, welche auch immer mehr Zeit auf uns verloren, aber nach drei Runden musste ich etwas rausnehmen. Die Jungs in meiner Gruppe waren auch schon ziemlich platt und jeder wusste, dass wir nicht mehr zur Führungsgruppe aufschließen würden. Das war das erste Mal, dass ich mich etwas erholen und verpflegen konnte. Nach den Gels hatte ich auch wieder deutlich mehr Energie und war langsam zuversichtlich auch den abschließenden 10km Lauf zu überleben. 

Ende der zweiten Radrunde // Quelle: Tommy Zaferes

Ich stieg mit einem Rückstand von 1:10min auf die Spitze vom Rad und motivierte mich mit dem Gedanken, dass es auch für die vorderen Athleten auf dem Rad hart gewesen sein musste und 10km sehr lang sein können. Ich lief kontrolliert aber zügig los und fand einen guten Rhythmus. Es war ziemlich windig auf der Strecke und zwei Jungs aus meiner Gruppe liefen in meinem Windschatten mit. Wir verloren zwar etwas auf Rang eins bis vier auf der ersten Laufrunde, liefen aber schneller als der Rest des Feldes. Nach fünf Kilometern konnte ich die ersten Athleten aus der vorderen Gruppe sehen und der Ungar und Japaner lösten mich in der Führung ab und ich konnte mich im Windschatten etwas erholen. Es war faszinierend zu sehen, wie viel mir der Windschatten gebracht hat und ich konnte meine Atmung deutlich runterbringen und mich voll auf meinen Laufschritt konzentrieren.

Kilometer 1/10 // Quelle: Tommy Zaferes

Nach 6,5km übernahm ich wieder die Führung und wir wir überholten den ersten Athleten aus der Spitzengruppe. Ich lag nun an Position elf, die zwei Jungs immer noch im Nacken. Als ich auf die letzte Laufrunde ging, hatten wir noch 15sek Rückstand zum Neuseeländer, der auf Platz 10 lag und ich fokussierte mich nur darauf, diese Lücke langsam zu schließen. Am Wendepunkt hinten, hatte ich den Rückstand nochmal halbiert und wusste, dass es sehr knapp werden würde wenn ich das gleiche Tempo einfach nur weiterlaufen würde. Gleichzeitig musste ich aber auch noch die Jungs in meinem Windschatten loswerden. Ich erhöhte langsam das Tempo, aber die beiden konnten noch mitgehen. Ich nahm wieder etwas heraus um zu sehen, ob sie die Luft hatten vorbeizugehen aber es folgte keine Attacke und ich war mir relativ sicher, dass ich der Stärkste in unseren kleinen Duell war. Bei ungefähr einem Kilometer to go, entschloss ich mich all in zu gehen. Wir hatten den Neuseeländer immer noch nicht eingeholt, denn der gab hetzt auch noch einmal alles, um die Top 10 zu verteidigen. Meine Tempoverschärfung zeigte aber Wirkung und ich wurde den Ungar los und schloss die Lücke nach vorne. Die letzten 200 Meter waren entscheidend, denn hier wurde die Strecke nach einer 90 Grad Kurve kurzzeitig sehr schmal und öffnete sich erst nach einer weiteren 90 Grad Kurve zur Zielgeraden hin. Bereits vor dem Rennen hatten wir besprochen (im Falle eines Zielsprints) vor der ersten Kurve zu attackieren und die Entscheidung von vorne zu versuchen. Es ging zwar nicht um das Podium, aber mir gibt ein Zielsprint immer noch einmal enorm viel Motivation, um noch einmal alles zu mobilisieren und den Sprint zu gewinnen!

Für Ruhm und Ehre

Am Ende war es also Platz 10 und den nehme ich für diesen Tag gerne! Im Schwimmen hat es einfach nicht ganz gereicht und auf dem Rad fehlte mir das gewisse Etwas um vielleicht die Lücke alleine zufahren zu können. Mit dem abschließenden Lauf bin ich aber top zufrieden und auf diesem Niveau in den Top 10 zu landen macht mich auf jeden Fall stolz. Finanziell hat sich das Ganze allerdings nicht wirklich gelohnt, da das U23 Grand Final kein Preisgeld gibt 🙁 sonderlich viel Weltcup Punkte gibt es auch nicht… bleibt nur die gewonnene Erfahrung und natürlich Ruhm und Ehre was auch sonst?!

U23 WM Edmonton

Hier in Kanada ist es gerade noch Montag, bei euch wahrscheinlich schon Dienstag Nacht bis dieser Blog online geht;) Letzte Woche war einfach mal wieder so viel los, dass ich nicht zum Blockschreiben gekommen bin! Deshalb jetzt hier die Zusammenfassung der letzten zwei Wochen:

Part 1: Bundesliga Nürnberg

Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit, aber das Heimrennen in Nürnberg war tatsächlich erst letzte Woche! Die Strecke und die Atmosphäre war richtig gut und seit langem hat sich ein Wettkampf mal wieder so richtig nach Triathlon angefühlt. Zuschauer, Anfeuerungsrufe auf der gesamten Strecke und – was natürlich auch zu einem typischen Triathlon gehört – dass nicht alles nach Plan läuft…

Aber alles der Reihe nach: der Start lief nicht ganz optimal und ich wurde nach ein paar Zügen an der Schulter zurückgezogen (nicht mit Absicht aber der Schwimmer neben mir hat mich einfach bei seinem Zug voll erwischt und nach hinten gedrückt). Ich hatte aber richtig gute Arme und konnte mich wieder nach vorne arbeiten und vor allem am Rückweg noch die Lücke zu ein paar Athleten schließen, die sich vom Feld abgesetzt hatten.

Der Whörder See war mit 16,5 Grad relativ kalt, daher galt Neoprenpflicht // Quelle: Theo Bettin

Durch einen guten Wechsel und einer schnellen ersten Runde konnte ich mit zwei weiteren Jungs zur vier-köpfigen Spitzengruppe aufschließen. Ich investierte hier sehr viel und versuchte das Tempo in unserer Gruppe hochzuhalten. Leider konnten nicht alle Athleten mitarbeiten und so verloren wir langsam aber stetig unseren 15-sekündigen Vorsprung auf die 20 Mann große Verfolgergruppe.

Wendepunkt nach einer von fünf Runden // Quelle: Theo Bettin

Am Ende der vierten Radrunde gab es den Gruppenzusammenschluss. Ich wollte hier auf keinen Fall Positionen verlieren und fuhr weiter vorne. Bis zum Abstieg investierte ich so zwar einiges mehr, konnte aber als Zweiter in die Wechselzone laufen und so – eigentlich – etwas Vorsprung mit auf die Laufstrecke nehmen. Ich verschätzte mich aber ordentlich und war kurz vor meinem Wechselplatz noch viel zu schnell für den nassen Teppich. Als ich dann abbremste zog es mir einfach die Füße weg und ich landete mit voller Wucht auf den Speichen meines Vorderrads.

Das wars mit der guten Ausgangsposition 😉 // Quelle: Triathlon-Bundesliga

Meinem Oberschenkel ging’s zum Glück ganz gut, aber die Carbonspeichen meines Vorderrads sind leider gebrochen… An letzter Position ging ich mit ordentlich Wut im Bauch auf die Laufstrecke. Die erste Kilometer ging es an der Pegnitz entlang bergab Richtung Hauptmarkt und ich versuchte sehr schnell anzulaufen und die verlorenen Plätze wieder gutzumachen. Ich arbeitete mich auch kontinuierlich nach vorne, aber auf Position acht liegend musste ich dann doch etwas rausnehmen und mich wieder etwas erholen. Hier war die Aufholjagd dann eigentlich auch zu Ende und ich kam nicht mehr näher an die Führenden heran. Somit lief ich am Ende auf Platz acht, einigermaßen zufrieden ins Ziel.

Kein optimales Rennen aber eine gute Vorbereitung für die anstehende WM // Quelle: Triathlon-Bundesliga

Ich hoffe auf jeden Fall, dass die Bundesliga nächstes Jahr wieder nach Nürnberg kommt und sich langfristig als Rennen etabliert und den Kurzdistanz Triathlon hier in der Region etwas bekannter macht. Das Feedback war durchweg positiv und auch von den Athleten hab ich nur Gutes gehört. Es sollte dem nächsten Jahr also nichts im Weg stehen;)

Part 2: Edmonton

Jetzt aber zu der aktuellen Situation! Gerade befinde ich mich meinen zweiten Tag in Quarantäne in Edmonton. Nicht schlimm, alles so geplant 😉 die dreitägige strenge Zimmerquarantäne ist von der ITU (international Triathlon Union) so eingeplant um jegliche Risiken einer Infektion mit COVID zu minimieren. Anschließend sind wir allerdings auch nicht wirklich frei, sondern werden nur für unsere Trainingseinheiten zum Wettkampfgelände geshuttelt und anschließend wieder ins Hotel gebracht. Nicht schön, aber in den aktuellen Zeiten einfach notwendig. Ich komme aber eigentlich ganz gut damit klar und bin viel auf der Rolle, simuliere das Schwimmen mit Zugseil und Athletikübungen und freu mich dann umso mehr auf den Wettkampf am Sonntag.

Den heutigen Tag teile ich in den Stories auf Social Media also wer interessiert ist, kann hier gerne mal reinschauen. Für Details, meine Ambitionen für Samstag und sonnige Insights geht dann am Donnerstag ein neuer Podcast online!

Ansonsten euch noch eine erfolgreiche, erholsame oder einfach auch nur schöne Woche!

Heimrennen Bundesliga Nürnberg

Zurück aus der kurzen Blogpause 😉 Letzte Woche gab es einfach nicht viel zu berichten und ich wollte hier niemanden mit meinem Alltag langweilen. Das Training lief auf jeden Fall sehr gut und ich habe nach einer ruhigen Woche nach den Wettkämpfen in Tiszaujvaros, wieder gut in den Rhythmus gefunden.

Quelle: 1. Triathlon Bundesliga

Diese Woche gehts aber wieder rund! Das Heimrennen der 1. Bundesliga in Nürnberg steht an und ich freue mich schon, hier auf bekannten Straßen – mit hoffentlich vielen bekannten Gesichtern am Streckenrand – an den Start zu gehen. Geschwommen wird im Whörder See, Radfahren geht Richtung Süden und das Highlight ist die Laufstrecke ins Stadtzentrum mit Zieleinlauf am Hauptmarkt. Scharfer Start ist am Sonntag um 12 Uhr mittag.

blau: Schwimmen / grün: Rad / rot: Lauf // Quelle: 1. Triathlon Bundesliga

Vor allem auf das Radfahren bin ich sehr gespannt, da die Strecke mit einigen Kurven, insgesamt fünf Runden und auf ein paar Wendepunkten, technisch anspruchsvoller ist als auf den ersten Blick. Der Favorit Buschhütten hat auf jeden Fall fünf starke Schwimmer aufgestellt und pokert darauf, dass eine kleine Spitzengruppe am Rad durchkommen wird. Mein Ziel ist es, da auf jeden Fall dabei zu sein und das Radfahren möglichst schnell zu gestalten. Falls das gesamte Feld am Rad zusammenfährt (was bei Bundesligarennen auch schon häufiger der Fall war) kann ich mich aber hoffentlich auf meine aktuell gute Laufform verlassen 😉

Eine direkte Kampfansage kann ich aber noch nicht rausgeben, da ich erstmal abwarten muss wie frisch ich ins Rennen gehen werde. Höhepunkt ist ganz klar die U23 WM in Edmonton am 22.08. und daher mache ich den Wettkampf am Sonntag noch komplett aus dem Training heraus. Das hat bei mir schon öfter ganz gut geklappt, aber diese Woche wird wirklich sehr umfangreich und auch intensiv.

Also mal sehen was der Sonntag bringt! Ich würde mich auf jeden Fall über jeden Supporter an der Strecke freuen und da Triathlon eine Outdoorsportart ist und das Wettkampfgelände sehr weitläufig ist, bieten sich ja auch genügend Möglichkeiten, coronafreundlich zuzuschauen.

U23 WM Quali!

Was für ein Wochenende! Zwei Sprintdistanzen innerhalb von 25h, beide Male über 34 Grad und ein Ticket für die U23 Weltmeisterschaft in Kanada… Tizzy hat mal wieder nicht enttäuscht!

Gerade bin ich ganz schön geschlaucht und auf dem Rückweg von Ungarn. Ich bin bereits gute fünf Stunden Auto gefahren und Rico übernimmt gerade die zweite Schicht und bringt uns hoffentlich innerhalb der nächsten fünf Stunden sicher nach Nürnberg. Je weiter wir Richtung Heimat kommen, desto kälter und nasser wird es. Aber zum ersten Mal seit den letzten Wochen freue ich mich über die Abkühlung. Als wir am Donnerstag in Ungarn ankamen, hatte es schwüle 30 Grad und am Samstag und Sonntag jeweils über 34 Grad. Sogar der Tümpel in dem wir geschwommen sind, hatte mit 30 Grad eher Badewannen- als Schwimmbad-Atmosphäre.

Jetzt aber zu den Rennen: Samstag stand das Semifinale an. Hier ging mein Plan voll auf und ich befand mich nach einem schnellen Schwimmen in einer achtköpfigen Spitzengruppe am Rad.

Schwimmausstieg Halbfinale, die Brille ist mir durch einem Ellebogenschlag 30m nach dem Start gebrochen. War zwar nicht so angenehm aber zum Glück erwischte ich die erste Radgruppe gerade noch so // Quelle: Triathlon Klub Tiszaujvaros

Da sich die ersten neun Athleten direkt für das Finale am nächsten Tag qualifizierten, hatten wir alle dasselbe Ziel und arbeiteten sehr gut auf dem Rad zusammen. Ich fühlte mich auch richtig gut, übernahm immer etwas längere Anteile in der Führung und organisierte die Gruppe zusammen mit einem Athleten von den Bermudas. (Drei Athleten waren schon ziemlich am Anschlag und konnten keine Führung übernehmen und wir schickten sie ans Ende der Gruppe, damit sie den Fluss unserer kleinen Ausreißergruppe nicht stören konnten. Mir war es sogar Recht, dass wir diese drei ins Finale mitzogen. Dadurch kamen weniger laufstarke Athleten, die in der Verfolgergruppe saßen, unter die Top 9 und somit ins Finale).

Unsere kleine aber effektive Gruppe aus dem Halbfinale // Quelle: Triathlon Klub Tiszaujvaros

Wir stiegen mit 50 Sekunden Vorsprung vom Rad und ich konnte kontrolliert und ohne große Anstrengung zu Ende laufen. Am Ende qualifizierte ich mich mit Platz vier fürs Finale und musst nicht zu viel investieren. Die Hitze spürte ich trotzdem schon enorm und ich war froh über die vielen Wasserstationen auf der Laufstrecke.

Finalqualifikation – Erstes Ziel somit erreicht. Für Sonntag stand dann nicht nur das Finale des Europacups an, gleichzeitig wurde auch das letzte (von insgesamt zwei) Ticket(s) für die U23 WM in Edmonton (Kanada) vergeben. Insgesamt waren am Samstag acht deutsche Athleten am Start, von welchen sich – inklusive mir – vier für den nächsten Tag qualifizierten. Valentin Wernz, Chris Ziehmer und Eric Diener. Vale ist schon zu alt für den U23 Bereich, spielte also für unser kleines “Rennen im Rennen” um das Ticket keine Rolle. Ich stellte mich schon am Samstag darauf ein, dass das Rennen am Sonntag komplett anders verlaufen würde als die Semifinals. Einerseits war die Rad- und Laufstrecke anders (mit jeweils acht Runden auf dem Rad und vier im Laufen deutlich zuschauerfreundlicher und spannender als im Halbfinale) und andererseits war die Konkurrenz nun deutlich höher.

Direkt vor dem Rennen war ich auch ziemlich angespannt, da der Schwimmstart in Tizzy sehr hektisch und vor allem auch rennentscheidend ist. Es werden drei Runden a 250m geschwommen. Das bedeutet die erste Boje kommt sehr früh und es gibt sehr viele Richtungsänderungen. Die Position die man an der ersten Boje hat, ist also schon die halbe Miete und wenn man danach immer ganz innen an den Bojen schwimmt, spart man sich enorm viel Weg. Im Umkehrschluss kann das aber auch bedeuten, dass man auf der restlichen Schwimmstrecke kaum Positionen gutmachen kann…

Gleiche Nummer (11) aber neue Brille // Quelle: PeterSportsPics

Im Vergleich zum Vortag kam ich hier nicht perfekt weg und war zwar im vorderen Drittel an der ersten Boje aber wurde dann an der zweiten Boje einmal so stark nach unten gedrückt, dass ich eine gefühlte Ewigkeit unter Wasser war und nur mit einem Brustzug wieder nach oben kam. Hier verlor ich einige Positionen und fing mich danach auch nicht wirklich wieder. Ich beschloss bewusst nicht zu viel zu investieren und einfach den Kontakt zur großen Gruppe zu halten. Ich stieg dann auch fast ganz hinten, aber mit Kontakt zur Gruppe aus dem Wasser und hatte auf jeden Fall einige Körner gespart. Nach einer kurzen Aufholjagd auf dem Rad befand ich mich auch in der Radgruppe und nur zwei Athleten waren gute 15 Sekunden vorne weg. Drei Runden lang hielt ich mich ganz hinten auf, beobachtete die Gruppendynamik, kühlte und verpflege mich etwas und testete aus wie schnell man die Kurven und Kreisverkehre durchfahren konnte.

In der fünften Runde arbeitete ich mich in der Gruppe vor und versuchte von da an meine Radstärke auszuspielen und das Radfahren für die Anderen schwer zu machen. Ich fuhr die technischen Passagen enorm schnell und hielt die Geschwindigkeit auf den Geraden hoch. ich ließ mich nie weiter als an Position vier zurückfallen und versuchte eine paar andere Athleten zu animieren ebenfalls gut mitzuarbeiten. Wir holten daraufhin schnell zu den zwei Ausreißern auf und vor der letzten Runde attackierte ich aus der Kurve heraus und sprang alleine zu den zwei nach Vorne. Es kostete zwar schon einige Körner aber mir waren es die paar Sekunden Vorsprung wert und ich ging nach einem guten Wechsel als erster auf die Laufstrecke. Die abschließenden fünf Kilometer waren zwar enorm zäh, aber ich merkte, dass jeder um mich herum mit der Hitze zu kämpfen hatten und nach zwei von vier Runden lief ich immer noch an Position fünf. In der dritten Runde hatte ich mal ein kurzes Tief und wurde von drei Athleten überholt. ich fing mich aber wieder und quälte mich weiter das Tempo zu halten. Auf der Zielgeraden litt ich zwar schon ganz schön aber versuchte noch einmal alles herauszuholen und gewann auch tatsächlich noch den Zielsprint gegen die zwei Athleten vor mir.

Platz sechs und bester Deutscher am Ende! Dass es dann natürlich auch noch für die Qualifikation für Edmonton gereicht hat macht es umso besser. Sicher kein perfektes Rennen, vor allem mit dem wirklich schlechten Schwimmen, aber die From ist definitiv da und ich bin enorm happy mit dem Ausgang des Rennens!

Mal sehen wie es weitergeht und ob ich noch spontan ein Trainingslager im Hinblick auf die WM einlege, aber allzu viel Vorbereitungszeit gibt es nicht mehr. Am 08.08 steht dann schon das Bundesligarennen in Nürnberg an und am 14.08. werden wir schon nach Kanada fliegen.

Euch allen eine schöne Woche!

Acht Tage Schwarzwald

Gerade befinde ich mich im Schwarzwald, genauer gesagt in der Casa Männer in Zell im Wiesental. Magnus war so nett und hat ein paar Jungs aus Nürnberg und mich zu sich nach Hause eingeladen – ein mini Trainingslager sozusagen. Dementsprechend kurz wird der heutige Beitrag, da die Tage ganz schön vollgepackt mit Training sind!

Fokus ist hier ganz klar das Radfahren, da man hier in der Gegend einfach die traumhaft schönen und langen Anstiege ausnutzen muss! Die ersten paar Tage waren auch ein ganz schöner Schock für’s System, da es nach zehn Minuten im Flachen, meistens direkt bergauf geht. Und zwar nicht so wie in Nürnberg, sondern auch meistens länger als 30 Minuten. Der Anfang ist mit den müden Beinen vom Vortag zwar meistens ziemlich zäh, aber nach ein paar Minuten findet man seinen Rhythmus. Vor allem der gestrige Anstieg über 50 Minuten und 800 Höhenmetern hat richtig Spaß gemacht und hatte definitiv etwas meditatives an sich!

Diese Woche stehen aber auch wieder schnellere Einheiten auf dem Trainingsplan, denn das nächste wichtige Rennen ist schon in zwei Wochen. Am Wochenende vom 17. und 18.06. wird in Ungarn, im Rahmen eines Europacups, das letzte Ticket für die U23 WM in Edmonton vergeben. Das ist auf jeden Fall das größte Ziel in dieser Saison und ich hoffe, ich kann den Aufwärtstrend der letzten Rennen mitnehmen und mir in Ungarn das Ticket sichern!

Bis dahin genieße ich aber noch die Zeit hier im Schwarzwald, sammle ein paar Kilometer auf dem Rad und versuche, auch der Laufform noch den letzten Schliff zu verpassen. Für die letzte wichtige Einheit am Wochenende geht’s aber dann schon wieder zurück nach Nürnberg, damit die unter den Augen von Coach Roland auch perfekt läuft 😉

Bis nächste Woche!

Bundesligaspektakel in Potsdam

Was für ein Wochenende in Potsdam! Ein super cooles und spannendes Rennformat und endlich kann hier auch mal zufrieden über ein Rennwochenende berichten. Dritter Platz im Einzel und ebenfalls ein dritter Platz im Team, bei einer heiß umkämpften Staffel!

zusammen mit den Jungs vom hep Team in Führung liegend nach dem Einzelrennen // Quelle: Theo Bettin

Zweite Impfung check

Nach meiner zweiten Impfung am Dienstag, beschlossen Roland und ich dieses Mal vorsichtiger mit dem Training zu sein und bis Freitag komplett Ruhe zu geben. Das war definitiv die richtige Entscheidung und nach dem Ausbleiben jeglicher Nebenwirkungen und drei Tage Trainingspause, fühlte ich mich am Freitag so frisch und erholt wie schon lange nicht mehr! Perfekt für die zwei kurzen und schnellen Rennformate am Sonntag in der 1. Bundesliga. Der Umgang mit Impfungen wird uns wahrscheinlich alle in der nächsten Zeit weiter begleiten und hier haben wir jetzt wichtige Erfahrungswerte gesammelt. Ein paar Tagen Ruhe und erste Intensitäten im Training nach knapp fünf Tagen, haben bei mir jedenfalls sehr gut funktioniert

Erstes Bundesliga Podium

Das erste Mal diese Saison hatte ich so richtig Lust auf den Wettkampf! Das Gefühl war gut und die Rennformate versprachen Spannung pur. Los ging’s mit dem Einzelrennen am Sonntag Vormittag. 250m Schwimmen, 2,8km Radfahren und 1,1km Laufen im Einzelstart mit Windschattenverbot. Ich startetet als sechster Athlet ins Rennen (jeweils 30sek Startabstand zwischen jedem Athleten). Bei diesen ultrakurzen Strecken durfte man sich keinen Fehler erlauben und musste von Anfang bis Ende enorm aufs Tempo drücken. Der Radkurs war außerdem technisch sehr anspruchsvoll, was mir definitiv in die Karten spielte. Am Ende erlaubte ich mir zwar zwei kleinere Fehler bei den Wechseln, kam aber ansonsten sehr gut durch und landete im Ziel knapp hinter Lasse Lührs und Lasse Priester auf Rang drei. Da wusste ich noch nicht ganz was meine Zeit wert war, aber von den folgenden 60 Athleten konnte mich keiner mehr vom Podium stoßen. Das Rennen war Stress pur, denn man musste sich die ganze Zeit am oberen Limit bewegen, durfte aber auch nicht zu viel investieren um nicht hochzugehen. Meinen Teamkollegen vom hep Team Neckarsulm gelang dies ebenfalls gut und so führten wir nach Addition unserer vier Einzelzeiten, das Rennen knapp vor dem Favoriten Buschhütten an!

Voller Fokus auf den bevorstehenden Wendepunkt // Quelle: Jörg Elias

Jetzt hieß es taktieren. Wir hatten nur drei Sekunden Vorsprung auf Platz zwei (Buschhütten) und weitere zwölf Sekunden auf Rang drei (Team Saar). In der kommenden Team Relay (250m S/ 5,6km R/ 1,1km L) mussten wir die bestmögliche Aufstellung finden, um das Podium oder sogar den Sieg zu verteidigen. Nur die vier Athleten, die am Vormittag im Einzel gestartet waren, durften jetzt in der Relay starten. Also kein Ersatz oder Tausch erlaubt. Entscheidend auch: Hier war jetzt das Windschattenfahren erlaubt, somit also wichtig für Aufstellung, an welchen Positionen sich Gruppen bilden könnten. Wir entschieden und für folgende Taktik:

  • Position 1: Eric Diener / kann sich von Buschhütten im Wasser überholen lassen und dann am Rad zusammenarbeiten und mit Kontakt zur Spitze übergeben
  • Position 2: Jan Diener / kann wenn nötig kleine Lücken nach vorne im Wasser schließen und ebenfalls mit Buschhütten zusammenarbeiten
  • Position 3: Ich / Plan war ein aggressives Rennen von Anfang an zu machen und wenn möglich eine Lücke herauszufahren
  • Position 4: Arnaud Des Boscs / Starker Schwimmer und Läufer, der in einer Laufentscheidung seine stärken hat, aber auch einen Vorsprung ins Ziel retten könnte

Die Relay

Die Stimmung vor der Staffel war schon sehr cool. Vor allem die Teamleiter der anderen Teams motivierten uns noch einmal, denn beim Kampf David (wir) gegen Goliath (Buschhütten) ist natürlich David der Sympathieträger. Wir wussten, dass das eine enorme Aufgabe werden würde, aber wir wollten einen guten Kampf liefern. Und unsere Taktik ging nahezu perfekt auf. Eric übergab an Jan mit knapp drei Sekunden Rückstand auf Buschhütten und hielt das Team Saar auf Distanz, Jan schloss im Wasser auf und übergab wiederum an mich mit zwei Sekunden Rückstand auf Buschhütten. ich konnte gleich im Wasser an Felix Duschampt vorbeischwimmen und mich auch etwas lösen und mit ein paar Sekunden Vorsprung aufs Rad springen. Hier fuhr ich die erste Runde am Anschlag um Buschhütten weiter zu distanzieren. Felix Duschampt wurde daraufhin auch von Gregor Pate vom Team Saar überholt und abgehängt. In der zweiten Runde konnte ich auch den Vorsprung auf Gregor ein paar Sekunden vergrößern und stieg mit 15sek Vorsprung vom Rad. Beim Laufen hatte ich schon ziemlich schwere Beine, pushte mich aber immer weiter und übergab an unseren vierten Mann mit 22sek Vorsprung auf Buschhütten und Team Saar, die zusammen abklatschten.

Ausstieg bei der Relay // Quelle: Theo Bettin

Arnaud hatte jetzt den schwersten Job. Alleine gegen Lasse Lührs und Lasse Priester, die von Anfang an zusammenarbeiten konnten und natürlich auch erstmal die Lücke schließen wollten, bevor sie sich gegenseitig bekämpften. Leider gelang Ihnen auch der Zusammenschluss auf den letzten Metern am Rad und die drei gingen gemeinsam auf die Laufstrecke. Natürlich für alle Zuschauer mega spannend, aber wir hätten gerne ein paar Sekunden Polster gehabt… Die beiden Lasses taktierten beim abschließenden Lauf auch nicht lange und leider konnte Arnaud dem hohen Tempo nicht ganz folgen. Mit Platz drei sind wir trotzdem sehr zufrieden und ich denke wir haben das bestmögliche herausgeholt und am Ende verdient verloren;) bzw. Platz drei gewonnen!

Ein echt cooler Sonntag und hoffentlich gibt es solche Formate in der Bundesliga öfter! Super spannend für alle Beteiligten und vor allem übersichtlich für die Zuschauer. Das erste Team im Ziel, gewinnt auch den Wettkamp (keine Rechnerei mit Platzziffern). Ich persönlich nehme auch einige positive Dinge mit und blicke zuversichtlich auf die zweite Saisonhälte. Heute fahre ich noch nach Zell im Wiesental für ein 10-tägiges Trainingslager mit Magnus Männer, Rico Bogen, Thomas Ott und Fred Funk.

Bis nächste Woche!